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Fed-Zinsentscheid: Wiederholt die Notenbank den Fehler von 2021?
Fed-Chef Warsh warnt vor gestiegenen Inflationsrisiken, hat aber bislang nicht gehandelt. Nun muss sich zeigen, ob die US-Notenbank rechtzeitig reagiert - oder einen alten Fehler wiederholt.
Heute Abend entscheidet die US-Notenbank über den Leitzins - und selten lagen die Erwartungen der Anleger im Vorfeld so weit auseinander. Laut dem FedWatch Tool der CME Group rechnet derzeit rund ein Drittel der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte - etwa zwei Drittel dagegen mit unveränderten Zinsen.
So kurz vor einer Fed-Sitzung ist eine solch gespaltene Erwartungshaltung äußerst ungewöhnlich. Das erhöht das Überraschungspotenzial - und damit die Gefahr kräftiger Marktreaktionen. Zumal die Stimmung an den Börsen bereits angeschlagen ist.
Zuletzt hatten immer mehr Fed-Banker vor gestiegenen Inflationsrisiken gewarnt und höhere Zinsen gefordert. Fed-Chef Kevin Warsh setzt dagegen bislang vor allem auf eine "falkenhafte" Rhetorik: Für ihn habe die Bekämpfung der Inflation oberste Priorität. Doch je länger die US-Notenbank abwartet, desto drängender wird die Frage, ob sie den Fehler des Jahres 2021 wiederholt.
"Die Zentralbanken sind damals zu spät auf die Bremse getreten", betont Christian Lenk, Leiter des Devisen- und Geldpolitik-Researchs bei der DZ Bank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "Sie haben die Inflation außer Kontrolle geraten lassen - eine Erfahrung, die vielen Verbrauchern auch heute noch nachhängt."
Die Fed hatte damals die steigenden Preise zunächst als vorübergehende Folge der Pandemie betrachtet. Lieferengpässe und einzelne Preissprünge würden sich bald wieder legen, so die Hoffnung. Diese Einschätzung war anfangs nicht unplausibel. Der eigentliche Fehler lag darin, dass die Fed zu lange daran festhielt, obwohl sich die Inflation immer stärker ausbreitete. Die Folge: Im Juni 2022 erreichte die US-Inflationsrate 9,1 Prozent - den höchsten Stand seit gut 40 Jahren.
Hintergrund
17.06.2026
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Von solchen Höchstständen sind die USA heute weit entfernt. Doch die Folgen des Iran-Kriegs für die Verbraucherpreise sind bereits spürbar, im Juni lag die Inflationsrate 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Auch die kräftigen Preissprünge bei Energie erinnern an damals. So stieg der Preis für die Nordseesorte Brent in der vergangenen Woche erneut über 100 Dollar je Fass. "Das ist schon eine Marke, da fängt auch die Fed an zu überlegen: Ist das jetzt ein nachhaltiger Einfluss - oder sehen wir hier nur einen kurzen Schockmoment", sagt Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst beim Broker CMC Markets.