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„The Mermaid Mask“ angespielt: Orient Express trifft auf Monkey Island
„The Mermaid Mask“ erneuert das Genre der Point-&-Click-Spiele mit viel Witz und Detailliebe. Wozu da noch einen Mörder schnappen?
Mit Point-&-Click-Spielen hat Gaming einst Fahrt aufgenommen, heute sind sie angesichts besserer Technik ein altertümliches Nischenprodukt. Denn wer möchte noch stumpf mit der Maus umherklicken und Objekte aufeinanderziehen, wenn er auch eine riesige Open World erobern oder eine kinoreife Geschichte selbst nachspielen kann? Das kürzlich erschienene „The Mermaid Mask“ präsentiert eine interessante Neuinterpretation, die nicht verpasst werden sollte. Dieser spielbare Kriminalfall wird zwar Sherlock Holmes nicht aus seinem Büro locken, kann aber dank seines erfrischenden und permanent zündenden Humors problemlos mit jeder Netflix-Sitcom mithalten.
Mortuga ist nicht nur Kapitän des seltsamsten U-Boots der Welt, er ist vor allem auch eines: tot. Erstochen in einem geschlossenen Raum. Vor einem mysteriösen Kessel. Und das ist bei weitem nicht die einzige Merkwürdigkeit, die auf das Ermittler-Duo Grimoire und Sally wartet. Sie begeben sich auf das putzige wie unheimliche Reisegefährt, um den Mord aufzuklären, den Mörder zu schnappen und das titelgebende Geheimnis rund um die Meerjungfrau-Maske zu lüften.
Aber das ist lediglich der Rahmen dieses achtstündigen Fantasy-Trips – im Zentrum steht der unvorhersehbare und clevere Humor, den der britische Entwickler SFB Games seinen Figuren auf die Zunge gelegt hat. In den ersten Minuten mag der Spieler noch meinen, dass er hier ein ganz gewöhnliches Point-&-Click-Adventure spielt. Klick diesen und jenen Gegenstand an, bis das Rätsel gelöst ist und es endlich weitergeht. „The Mermaid Mask“ ist da wie schon die beiden Vorgänger ganz anders: Das Highlight bilden die großartig geschriebenen und vertonten Wortgewitter zwischen den Ermittlern und Verdächtigen, die, wenn sie erst einmal in Gang gebracht worden sind, nicht mehr zu stoppen sind. Zu beachten ist: Es gibt nur eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln.
Da ist der exzentrische Schriftsteller, dem der Mordfall ganz gerufen kommt, weil er gerade nach neuem Stoff für seinen nächsten Roman sucht. Oder die quirlige Illusionistin, die sich nicht sicher ist, ob sie das hier alles nur träumt. Oder der junge Filmstar mit Sonnenbrille, der dank seiner welpenhaften Naivität alles für ein tolles Abenteuer hält. Als wäre das Ganze eine Comedy-Stand-up-Show, bei der alle zehn Minuten ein neues Talent auf die Bühne tritt. Grimoire und Sally setzen diesem bunten Haufen wiederum ihre größten Stärken entgegen: Schlagfertigkeit, Sarkasmus und einen Blick für besondere Details. Das Tolle daran: Die Gespräche ufern jedes Mal aus, stellen die wendungsreichen Lebensgeschichten der Charaktere vor, lassen unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderprallen und münden in überraschende Situationen, die mehr Fragen als Antworten übrig lassen.
Das Spiel kommt – auch wegen der vielen unterschiedlichen und schön anzusehenden Cartoon-Animationen – so charmant rüber, dass man oft vergisst, dass das hier ein Detektivspiel ist und dass es noch einen Mörder zu fassen gilt. Am Ende möchte man sie doch alle laufen lassen, weil sie alle viel zu sympathisch sind. Zum Glück erinnert „The Mermaid Mask“ den Spieler immer wieder an den eigentlichen Job, indem es ihm regelmäßig ein Rätsel vor die Nase setzt, um die Lachmuskeln zu schonen und den Hirnapparat wieder einzuschalten.
Diese treffen einen guten Sweetspot – sie sind nicht innerhalb einer Minute gelöst, brauchen aber auch keine halbe Stunde. Meistens geht es um das richtige Sortieren von Gegenständen, das Herausfinden eines Codes oder das Entschlüsseln eines Textes. Nach ein paar Versuchen liegt die Lösung meistens auf der Hand. Kommt man nicht weiter, können jederzeit die Ermittler zu Hilfe gerufen werden, die dem Spieler einen kleinen Schubs in die richtige Richtung geben. Komfortabel. Denn nicht immer möchte man einen Detektiv spielen, der sich das Hirn zermartert und in Sackga