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Psychotherapie für gewalttätige Straftäter entlastet die Gesellschaft auch finanziell
Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung (ASPD) haben einen großen Anteil an gewalttätigen Straftaten und verursachen dadurch hohe gesellschaftliche Kosten. Eine Kombination aus einer mentalisierungsbasierten Psychotherapie (MBT) und der üblichen Bewährungsbetreuung kann ihre oft hohe Aggressivität deutlich reduzieren und dadurch die Folgekosten des Gesundheitswesens und des Strafjustizsystems senken.
London (England). Menschen mit der antisozialen Persönlichkeitsstörung (ASPD) sind unter anderem von Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Reizbarkeit, Verantwortungslosigkeit und einem fehlenden Schuldgefühl geprägt. Laut einer internationalen Bevölkerungsstudie treffen diese Kriterien auf etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen zu, also auf rund 1,4 bis 2,1 Millionen Erwachsene in Deutschland. Männer (47 %) und Frauen (21 %) machen laut einer Studie mit fast 23.000 Gefangenen aus zwölf westlichen Ländern einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Gefängnisinsassen aus. Der Anteil der Gefängnisinsassen mit ASPD ist bei Männern, die wegen Gewaltdelikten verurteilt wurden (50 %) am höchsten.
Es wird somit deutlich, dass ASPD, die in der International Classification of Diseases (ICD) auch als dissoziale Persönlichkeitsstörung bezeichnet wird, die Justiz und das Gesundheitswesen stark belastet. Die psychische Störung führt zudem zu viel Leid bei den Opfern und erschwert den Umgang mit Straftätern sowohl im Gefängnis als auch nach ihrer Entlassung. Die Psychologie untersucht deshalb seit Langem die Wirksamkeit von medikamentösen und psychologischen Therapien, konnte bisher nur begrenzte Evidenz für wirksame Therapien liefern.
Forscher des King’s College London (KCL) um Barbara Barrett haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob eine mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) die Aggressivität bei Männern mit ASPD, die wegen schwerer Gewaltdelikte verurteilt wurden, reduzieren kann. Dazu haben sie mehr als 300 Männer ab 21 Jahren aus Gefängnissen und dem Bewährungsdienst im Vereinigten Königreich (UK) zufällig in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe erhielt die übliche Bewährungsbetreuung und eine Gruppe die Bewährungsbetreuung sowie die zusätzliche MBT, eine Therapie, die die Fähigkeit fördern soll, die eigenen Gedanken und Gefühle sowie die Gedanken und Gefühle anderer Menschen besser zu verstehen.
Die Teilnehmer haben zudem einen standardisierten Fragebogen ausgefüllt, den die Forscher gemeinsam mit Fachkräften aus der Praxis und Menschen mit eigenen Erfahrungen im Strafvollzug erstellt haben, damit die Fragen relevant und verständlich sind und von den Probanden akzeptiert werden. Der Fragebogen hat unter anderem erfasst, welche Angebote die Probanden in Bereichen wie Unterkunft, Bildung, Beschäftigung und beruflicher Qualifizierung beansprucht haben.
Wie Barbara Barrett erklärt, haben die Forscher nach zwei Jahren untersucht, ob es zwischen den beiden Gruppen zu Unterschieden gekommen ist und ob die Maßnahmen für die Gesellschaft wirtschaftlich sinnvoll waren. Dabei haben sie die Kosten des Gesundheitssystems, des Strafjustizsystems und der Auswirkungen der Straftaten berücksichtigt.
Die Daten zeigen, dass die Teilnehmer, die sowohl die Psychotherapie als auch die Bewährungsbetreuung erhalten haben, im Beobachtungszeitraum weniger aggressiv waren. Die gesellschaftlichen Gesamtkosten waren im Mittel rund 2.000 Pfund pro Teilnehmer geringer, obwohl die MBT zunächst zusätzliche Therapiekosten verursacht hat. Laut der gesundheitsökonomischen Analyse sanken die Kosten um 93 Pfund pro zusätzlicher Verringerung des OAS-M-Aggressionswertes. Laut Barbara Barrett deutet die Studie somit darauf hin, dass die psychotherapeutische Intervention auch ökonomisch sinnvoll ist und das Potenzial für hohe Einsparungen im Gesundheitswesen und im Strafjustizsystem hat.
„Die Bedeutung evidenzbasierter Lösungen ist angesichts der hohen Rückfallraten bei Personen mit ASPD besonders wichtig. Diese Intervention bietet e