// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Marktbericht: Anleger grübeln über Fed-Zinsentscheid nach
US-Geldpolitik, KI-Euphorie und die Krise im Nahen Osten: Das sind die Themen, die den heutigen Handelstag am Aktienmarkt bestimmen werden. Bislang sieht es danach aus, als würde der DAX leicht zurückfallen.
Der deutsche Leitindex dürfte nach Berechnungen des Brokers IG heute mit einem Minus von rund 0,2 Prozent in den Handel starten. In der Nacht hatte die USA neue Angriffe auf den Iran gemeldet. Wieder einmal zeigt sich, dass die Hoffnungen der Anleger auf eine Deeskalation trügerisch sind.
Gestern war der DAX praktisch unverändert bei 25.460,48 Punkten aus dem Handel gegangen. Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve am Abend blieben die Anleger zurückhaltend.
Anschließend fiel die Zinsentscheidung wenig überraschend aus, die Fed ließ den Zinssatz unverändert. Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Allerdings hatten sich drei Notenbanker für eine Zinserhöhung ausgesprochen. Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate in den USA über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent.
Das Abstimmungsverhalten setze ein Ausrufezeichen, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Die Bereitschaft die geldpolitischen Zügel zu straffen nimmt zu. Ob es aber tatsächlich zu einer weiteren Zinserhöhung kommt, hängt von den Inflationsdaten der kommenden Monate ab."
Die US-Notenbank hält trotz anhaltender Inflationsgefahr den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent.
mehr
Mit Zinserhöhungen möchten Notenbanken die Inflation eindämmen. Die Gratwanderung besteht jedoch darin, die Konjunktur nicht durch höhere Kreditkosten zusätzlich zu belasten.
An der Wall Street kam der Zinsentscheid nicht gut an. Der Dow Jones schloss 2,2 Prozent tiefer auf 51.594 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 1,5 Prozent auf 7.316 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,7 Prozent auf 24.443 Punkte.
"Die Fed hat wie erwartet stillgehalten", sagte Ryan Detrick, Chef-Marktstratege der Carson Group. "Die größere Frage ist nun jedoch, wie groß der Druck sein wird, die Zinsen im September anzuheben." Angesichts der hohen Inflation und steigender Rohölpreise rechne der Markt fest mit einem Zinsschritt im Herbst.
Die Frage, ob sich die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur lohnen, stellen sich die Anleger schon länger. Einige Experten und Investoren bezweifeln, dass diese Kosten jemals wieder verdient werden können. Deshalb sehen sich die Investoren die Geschäftsberichte der Konzerne genau an. Gestern stellten mit Meta und Microsoft zwei wichtige US-Tech-Unternehmen ihre Bilanzen vor.