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Fahrradmesse Eurobike kämpft ums Überleben
Die Fahrradmesse Eurobike kämpft mit verschiedenen Problemen. ZIV hat die Zusammenarbeit aufgekündigt und führt ebenfalls im Herbst eine eigene Messe durch.
Unmittelbar vor ihrer 34. Ausgabe kämpft die Frankfurter Fahrradmesse Eurobike um das Überleben. Gegründet von enthusiastischen Mountainbikern am Bodensee, ist die Veranstaltung zur fünften Ausgabe in der Banken- und Messestadt Frankfurt am Main heftig ins Schlingern geraten. Grund ist ein tiefgreifendes Zerwürfnis mit dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), der jede Zusammenarbeit mit dem Veranstalter aufgekündigt hat und nun für den Herbst 2027 eine eigene Messe an einem anderen Standort plant.
„Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit wir wieder mit der Eurobike zusammenarbeiten“, sagt ZIV-Hauptgeschäftsführer Burkhard Stork der Deutschen Presse-Agentur. Zu viel ist zwischen den Parteien vorgefallen. Der Eurobike-Veranstalter Fairnamics hat am Ende den ZIV und den Verband Zukunft Fahrrad wegen angeblicher Geschäftsschädigung auf Schadenersatz verklagt.
Die Messe leidet schon länger an schwindenden Besucher- und Ausstellerzahlen, die zunächst noch vom Boom der Fahrradbranche während der Corona-Zeit überdeckt wurden. Große internationale Hersteller wie Specialized, Trek oder der niederländische Pon-Konzern (Cannondale, Gazelle, Kalkhoff, Focus) waren schon lange nicht mehr vertreten. Auch die wichtige Einkaufgenossenschaft ZEG fehlte. Nach der 25er-Ausgabe kehrten auch Zulieferer und ZIV-Mitglied Bosch und der deutsche E-Bike-Spezialist Riese & Müller dem Frankfurter Event den Rücken.
Aus Ausstellerkreisen waren Klagen über hohe Standmieten oder fehlende Unterstützung beim Kampf gegen Produktpiraten zu hören. An Ständen chinesischer Hersteller seien Produkte gezeigt worden, die in Europa nicht zugelassen seien. Der Termin passte vielen nicht, wie auch die unentschlossene Ausrichtung, die zwischen Geschäftskunden und Endverbraucher schwankte.
Nach dem großen Krach hat die Messegesellschaft Frankfurt in dem Joint Venture mit der Messe Friedrichshafen den Lenker fester in denGriff genommen. „Ich bin angetreten, um nach vorne zu schauen“, sagt der neue Geschäftsführer Philipp Ferger. Die 34. Ausgabe der Eurobike vom 24. bis zum 27. Juni 2026 sieht er als Übergangsveranstaltung, bei der man allerdings schon sehr viel über die künftige Ausrichtung erfahren kann. Dazu wurden ein Beirat gegründet und dutzende Interviews mit Branchen-Insidern geführt.
„Wir haben intensiv zugehört“, sagt Ferger. Konkret geplant sind drei statt bislang vier Messetage vom 1. bis 3. September 2027 – der Juni-Termin ist damit gestrichen. Die schon 2026 von fünf auf drei Hallen geschrumpfte Veranstaltung zieht zudem auf den Ostteil des Frankfurter Messegeländes um, wo auf dem großen Agora-Marktplatz ein wenig die alte Lagerfeuer-Stimmung aus Bodensee-Zeiten wiederbelebt werden soll.
Ferger verspricht eine eindeutige Ausrichtung auf Business-Kunden, Konzepte für die Endverbraucher hält er noch unter Verschluss. Es sei Anspruch der Eurobike, als internationale Weltleitmesse die gesamte Wertschöpfungskette rund um das Fahrrad abzubilden.
Der ZIV glaubt nicht an diese Zukunft. „Die Eurobike hat es neben vielen handwerklichen Fehlern verpasst, auf die Branche zu hören. Eine klare Definition der Zielgruppen hat nie stattgefunden. Die geplante und dann wieder abgesagte Zusatzmesse Mobifuture kam für die Beteiligten aus dem Nichts, hat viele Unternehmen irritiert und war letztlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, erinnert sich Stork.
Der Verband will nach seinen Worten eine Leitmesse, die ebenfalls im Herbst als großer Marktplatz das europäische Marktgeschehen und die Wertschöpfung in Europa abbildet. „Dazu haben wir bereits wichtige Zusagen großer Player. Natürlich müssen die großen internationalen Hersteller nach jahrelanger Abwesenheit von einer Rückkehr neu überzeugt werden.“