// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Verhindert Israel humanitäre Hilfe im Gazastreifen?
In Gaza werden sie dringend gebraucht - doch Israel lässt viele Güter für den Alltag nicht über die Grenze. Die Begründung: Die Hamas könnte sie militärisch nutzen. Hilfsorganisationen sehen das anders.
Noch laufen zumindest einige Maschinen von Atef Odeh in Gaza-Stadt. Odeh betreibt eine private Wasserentsalzungsanlage. Sein Wasser ist ein begehrtes Gut im flächendeckend zerstörten Gazastreifen, wo die allermeisten Menschen in Notunterkünften leben.
Sein Wasser läuft in große Behälter. 120 Kubikmeter Trinkwasser, also 120.000 Liter, will Odeh heute herstellen. Ob das klappt, weiß der Ingenieur noch nicht. Unter normalen Bedingungen könne er die Anlage 15 Stunden lang betreiben, sagt Odeh. Doch er habe kein Diesel für die Stromerzeugung durch Generatoren und auch kein Motoröl. Die Transportfahrzeuge hätten keine guten Reifen. "Die Lage ist äußerst dringlich."
Während die Welt auf das Abkommen zwischen Iran und den USA schaut, schafft Israel in Gaza Fakten.
mehr
Denn die Menschen in Gaza brauchen sein Wasser. Nach Angaben des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hat die Mehrheit der Haushalte im Gazastreifen weniger als sechs Liter Trinkwasser pro Tag pro Person zur Verfügung. Das ist bei weitem nicht genug. Laut UN hat sich die Lage in den vergangenen Wochen nochmal verschlechtert. Menschen in Deutschland können im Durchschnitt mehr als 120 Liter am Tag nutzen.
Odeh beliefert mit seinem Wasser 27 Flüchtlingslager, manche davon täglich. Doch seine Maschinen sind am Limit - auch weil die nötigen Ersatzteile nicht in den Gazastreifen kommen. Deshalb kann er seinen Hauptgenerator gerade nicht nutzen.
Zudem brauche er dringend neue Filter, weil die Leistung seiner alten Filter um circa 50 Prozent nachgelassen haben. Die Qualität sinkt, die Kosten und Produktionszeit steigen. "Ich brauche mehr Zeit. Ich brauche mehr Diesel. Ich brauche mehr synthetisches Öl", sagt Odeh.
Israel kontrolliert, was in den Gazastreifen hineinkommt. Die Wasserkrise ist also menschengemacht. Und was hineingelassen wird, ist ein ständiger Aushandlungsprozess. Israel will verhindern, dass Hilfsgüter auch von der Hamas zu Terrorzwecken genutzt werden. Diese Hilfen werden Dual-Use-Güter genannt, weil sie einen doppelten Nutzen haben könnten.
Israel streitet dies ab. Doch die zerstörte Infrastruktur ist ein Problem.
mehr
Israel missbrauche die Dual-Use-Thematik, um die Versorgungslage im Gazastreifen schlecht zu halten, lautet der Vorwurf von Hilfsorganisationen. Doch die Definition, was Dual Use ist, ist nicht klar. Und die Verfahren sind nicht transparent. Mit dem Begriff haben auch Völkerrechtler wie Kai Ambos Schwierigkeiten. Ambos ist Professor an der Universität Göttingen und hat ein Buch mit dem Titel "Staatsräson nach Gaza" veröffentlicht.