// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Könnten Smart Glasses in Deutschland verboten werden?
Immer öfter landen Aufnahmen im Netz, die heimlich mit Smart Glasses gefilmt wurden. Sich juristisch gegen die Aufnahmen zu wehren, ist oft schwer bis unmöglich. Experten halten ein Verbot der Brillen für möglich.
Noch sieht man sie in Deutschland nicht allzu häufig, und selbst wenn man eine sieht, mag man sie vielleicht erst einmal gar nicht erkennen. Es geht um sogenannte Smart Glasses oder - nach dem aktuell größten Hersteller - Meta Glasses.
Das sind Brillen, die weit mehr können, als Sehschwächen auszugleichen. Über eingebaute Lautsprecher lässt sich Musik hören, winzige Kameras sehen das, was der Träger auch gerade sieht, und so kann die eingebaute KI direkt über die Brille unterstützen und beispielsweise Texte aus fremden Sprachen übersetzen. All das funktioniert per Sprachsteuerung oder durch Berührung des Brillengestells.
Was die Brillen außerdem können: mit der Kamera fotografieren und filmen. Auch Tonaufnahmen kann man mit dem eingebauten Mikrofon machen, die Reichweite beträgt bei Meta Glasses bis zu zwei Meter, wie Auswertungen der Bundesdatenschutzbeauftragten ergeben haben.
Das alles läuft einigermaßen heimlich, denn: Während Smart Glasses vor einigen Jahren noch an Science-Fiction-Filme erinnerten, sehen die neuen Meta Glasses von Ray Ban genauso aus wie die ganz normalen Modelle der Brillenmarke. Das sorgt für Ärger. In einem Fall aus Hamburg berichtete eine junge Frau, dass sie nichts ahnend im Bikini am Alsterufer von jemandem angesprochen wurde. Einige Tage später entdeckte sie ein Video dieser Unterhaltung auf TikTok. Sie wurde unbemerkt gefilmt mit Smart Glasses. Seitdem hat sie Angst, ständig und überall möglicherweise gefilmt zu wer-den und das Video nachher im Netz zu finden.
Die gemeinnützige Organisation HateAid kritisiert: "Die Technologie beschleunigt digitale Gewalt, da Täter*innen mittlerweile kaum noch technisches Know-how benötigen."
Exklusiv
13.05.2026
Vor allem Frauen werden in privaten oder intimen Situationen heimlich gefilmt - immer öfter mit sogenannten Smart Glasses.
mehr
Aber ist das heimliche Filmen einfach so erlaubt? Grundsätzlich gilt in Deutschland: Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild. Wenn man gegen seinen Willen gefilmt oder fotografiert wird, kann das gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen. Da kann man verlangen, dass Aufnahmen gelöscht und nicht weiterverbreitet werden. Bei besonders sensiblen Aufnahmen kann man auch Schadensersatz fordern. Vor Gericht müsste man dazu aber beweisen, dass man unfreiwillig gefilmt wurde - und das kann je nach Situation schwierig werden.
Auch das Strafrecht hilft Betroffenen oft nicht weiter. Das Veröffentlichen oder Verbreiten solcher Aufnahmen ist zwar strafbar. Das Filmen oder Fotografieren an sich ist es in den meisten Fällen aber nicht. Wenn man jemanden heimlich in seiner Wohnung oder in einem anderen geschützten Raum in intimen Situationen aufnimmt, ist das zwar strafbar. Personen beispielsweise in einer öffentlichen Sauna zu filmen, ist aber nicht strafbar.