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Filmkritik: Backrooms – Kane Parsons’ Kino-Debüt ist so fesselnd, dass man es mehrmals sehen muss
Ein beklemmendes Mystery-Puzzle, das einen Sog erzeugt, der weit über den Kinosaal hinausreicht.
Mit dem Internetphänomen der Backrooms hatte ich bislang ungefähr so viel zu tun wie mit der Tide-Pod-Challenge. Ich wusste, dass es existiert und vor allem bei jungen Menschen eine enorme Faszination entfaltet, verspürte aber nie das Bedürfnis, mich näher damit zu beschäftigen. Liminal Spaces, Creepypastas, Analog Horror und die zahllosen Theorien rund um endlose gelbe Korridore waren für mich weitgehend neues Terrain. Ich ging also ohne Vorwissen, Erwartungen oder Fan-Theorien in Backrooms. Vielleicht war genau das die beste Vorbereitung auf einen Film, dessen Wirkung maßgeblich daraus entsteht, dass man nie weiß, was hinter der nächsten Ecke lauert.
Backrooms ist ein Mystery-Horrorfilm von Regisseur Kane Parsons, basierend auf dem gleichnamigen Internet-Phänomen. In den Hauptrollen glänzen Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve. Der Film erkundet Liminal Spaces und bringt den endlosen Albtraum auf die große Leinwand.
Clark ist ein gescheiterter Architekt, kämpft wenig erfolgreich gegen seine Alkoholsucht und schläft nach der Trennung von seiner Frau in seinem eigenen Möbelgeschäft. Cap’n Clark’s Ottoman Empire ist ein trostloser Laden, dessen Name mehr Abenteuer verspricht, als das Sortiment je einlösen könnte. Chiwetel Ejiofor spielt diesen Mann mit gekränktem Stolz, Selbstmitleid und der verzweifelten Hoffnung, dass irgendwo noch eine Aufgabe auf ihn wartet, die seinem Leben wieder Bedeutung verleiht.
Diese Aufgabe findet Clark im Untergeschoss seines Geschäfts. Hinter einer Wand entdeckt er einen Zugang zu einer unmöglichen Welt aus leeren Büros, kahlen Fluren, summenden Leuchtstoffröhren und Räumen, die vertraut aussehen, aber nach keiner menschlichen Logik zusammenpassen. Möbel stehen herum, als hätte jemand versucht, eine Erinnerung nachzubauen, ohne das Original vollständig zu verstehen. Und damit beginnt einer der faszinierendsten Kinobesuche, die ich seit langer Zeit erlebt habe.
Backrooms setzt nicht primär auf Monster, Blut oder Türen, die im falschen Moment aufspringen. Sein Horror liegt in Räumen, die vertraut aussehen und sich trotzdem falsch anfühlen. Teppichboden, Tapeten, Schreibtische, Lampen, Treppenhäuser: Nichts davon ist für sich genommen bedrohlich. Erst die unwirkliche Kombination macht daraus einen Albtraum. Die Backrooms sehen nicht wie eine fremde Welt aus. Sie wirken eher wie eine fehlerhafte Erinnerung an unsere eigene.
Regisseur Kane Parsons befeuerte den Hype maßgeblich mit seinem YouTube-Kanal "Kane Pixels". Als Teenager animierte er Found-Footage-Videos der Backrooms, die millionenfach geklickt wurden. Sein Aufstieg vom viralen Creator zum Hollywood-Regisseur gipfelt in diesem Debüt.
Kane Parsons und Kameramann Jeremy Cox erforschen diese Räume mit einer Geduld, die modernen Horrorfilmen häufig fehlt. Die Kamera darf stehen bleiben, beobachten und Zweifel säen. In den Ecken bewegt sich vielleicht etwas. Eine Wand scheint eben noch anders ausgesehen zu haben. Ein Gegenstand steht dort, wo er unmöglich stehen dürfte. Oder man bildet sich all das nur ein, weil der Film das eigene Misstrauen längst gegen einen verwendet.
Ich klebte während dieser Szenen förmlich an der Leinwand. Nicht, weil ständig etwas passierte, sondern weil jederzeit jedes Detail wichtig werden konnte: eine Zeichnung an der Wand, eine Zahl, die Position eines Fensters oder ein Schatten im Hintergrund. Backrooms macht sein Publikum zu Ermittlern in einem Mysterium, das sich jeder eindeutigen Erklärung entzieht.
Einen erheblichen Anteil an dieser Wirkung hat das herausragende Sounddesign. Das Summen der Leuchtstoffröhren ist kein bloßes Hintergrundgeräusch, sondern ein permanenter Angriff auf die Nerven. Tiefe Frequenzen und kaum zuzuordnende Klänge erzeugen ein Unbehagen, das sich kaum erklären lässt. Das Gefühl der Figuren, in diesem Labyrinth nirgends sicher zu sein, überträgt sich unmittelbar auf das Publikum.