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Ein Betriebssystem für 58 Plattformen: NetBSD 11 ist da
NetBSD 11 kam später als angekündigt, läuft jetzt aber auf RISC-V und bietet ultraschnelle MICROVM-Kernel für i386/amd64.
NetBSD, das unixoide und legendär portable Open-Source-Betriebssystem, liegt nun in Version 11 vor. Bereits am 4. August letzten Jahres gab NetBSD-Entwickler Martin Husemann bekannt, dass der Release-Prozess für NetBSD Version 11 mit der 11.0_BETA1 gestartet wurde. Die ursprüngliche Planung sah einen Release Candidate (RC) für September vor. Gedauert hat es letztlich bis zum 6. Februar dieses Jahres, um den NetBSD 11.0-RC1 offiziell freizugeben. Der Release-Prozess zog sich dann nervenzermürbend über ein halbes Jahr und einen NetBSD 11.0-RC7 bis zum jetzigen Release hin. Die Probleme lagen wohl vor allem im Bereich der Sicherheitsfixes für Komponenten von Drittanbietern und vielen KI-generierten Bugreports, weniger im technischen Bereich des NetBSD-Kernsystems selbst.
Die gute Nachricht: Das releng@-Team von NetBSD (Release Engineering) hat im Zuge der Entwicklung den Build-Prozess für RCs und Releases vereinfacht und stark automatisiert, sodass ein Compiler-Lauf auf der vorhandenen Hardware etwa 24 Stunden „wall clock time“ benötigt (reale Wartezeit vor der Konsole, CPU-Zeit über alle beteiligten Kerne ist deutlich höher). Aber nun ist es soweit: Das NetBSD-Team hat NetBSD 11.0 für 58 Plattformen veröffentlicht.
Neu in NetBSD 11 für x86-Hardware ist unter anderem amdgpio(4), ein Treiber für HP-Laptops mit AMDs Ryzen 7 5800U/8840HS. NetBSD 11 besitzt jetzt den neuen Pseudo-Bus pv(4), an den sich paravirtualisierte Geräte anhängen können, wenn sie nicht über einen Standardbus wie PCI verfügbar sind. Das vereinfacht insbesondere die Unterstützung von Xen-PV-Geräten und ähnlichen Hypervisor-Schnittstellen. ThinkPad-Benutzer wird es freuen, dass über ein neues thinkpad(4)-Interface die Ansteuerung der Start- und Stop(Lade)-Schwelle für Akkus (zum Beispiel erst bei unter 40 Prozent laden, bei 80 Prozent stoppen) einfacher zu setzen ist. Der bestehende thinkpad(4)-Treiber unterstützt schon länger Hotkeys, Lüfter, Temperatursensoren und andere ThinkPad-spezifische ACPI-Funktionen.
Bemerkenswert ist daher, dass NetBSD (BSD steht für Berkeley Software Distribution) bislang nicht offiziell auf der seit 2010 an der University of California, Berkeley, entwickelten RISC-V-Plattform läuft. RISC-V ist eine offene, modulare Befehlssatzarchitektur (ISA) unter der BSD-Lizenz, ist nicht patentiert und frei verwendbar – RISC-V ist also echte Open-Source-Hardware. Bekannt sein dürften Systeme wie die beliebten ESP32-C3/C6/H2 Mikrocontroller oder StarFive VisionFive 2, PINE64 STAR64, HiFive Unmatched oder Milk-V-Boards. Mit der CPU SpacemiT VitalStone V100 (12nm, bis 64 Kerne und bis 2,5 GHz) will sich RISC-V auch im Workstation- und Server-Bereich etablieren.
Der Port NetBSD/riscv ist das erste Release, das RISC-V nun endlich offiziell unterstützt. Installieren lässt sich NetBSD/riscv 11.0 unter QEMU oder auf Boards wie dem BeagleBoard BeagleV, dem StarFive VisionFive 2, dem MangoPi MQ Pro oder dem Milk-V Mars Computing Module. Der Fokus der Entwickler liegt dabei auf den 64bittigen RV64/SV39-CPUs, ältere Hardware oder 32-Bit-RISC-V-Varianten sind derzeit nicht vorgesehen. Die pkgsrc-Pakete für RISC-V existieren, aber deren Umfang ist im Vergleich zu den etablierten Plattformen noch begrenzt. In der Praxis bemerkt man schnell, dass noch einige Binärpakete fehlen und nicht alle Tools verfügbar sind. Das dürfte sich aber schnell ändern: Die schlanke NetBSD-Struktur und das moderne RISC-V könnte sich zu einer interessanten Kombination für leichtgewichtige Open-Source-Systeme entwickeln.
Seit einiger Zeit gibt es Laptops beispielsweise von Lenovo, Asus, HP oder Microsoft, die auf Qualcomms Snapdragon X Elite/Plus basieren und leistungsmäßig durchaus mit Apples M3 oder Intels Meteor Lake konkurrieren können. Basis dafür ist die ARMv8.7-A Architektur (Oryon) mit 8 bis 12 Kernen. OpenBSD-Entwickler Patrick Wildts OpenBSD/arm64-P