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Kritik: House of the Dragon Staffel 3, Folge 7 – Überstürzt Richtung Staffelfinale
Kurz vor dem Staffelfinale überschlagen sich die Ereignisse. Die Folge liefert Schlüsselmomente am Fließband, doch es bleibt erstaunlich wenig hängen.
An gravierenden Ereignissen mangelt es der siebten Folge wahrlich nicht: Aemond wird vergiftet, Aegon findet zu seinem Drachen zurück, Rhaenas Geheimnis fliegt auf, Corlys verliert einen Finger und Ulf entpuppt sich als Verräter. Das Problem ist, dass die Episode ihre Plotpoints im Akkord abarbeitet, als müsste das Drehbuchteam vor dem Staffelfinale noch hastig eine übervolle To-do-Liste abhaken. Und genau das ist letztlich der Fall: Es bleibt nur noch eine Folge, um alles für den großen Showdown in Stellung zu bringen.
House of the Dragon basiert auf George R. R. Martins Buch Feuer und Blut, nimmt sich aber viele Freiheiten. Rhaena übernimmt die Handlung der gestrichenen Buchfigur Nessel, Alicents Giftanschlag auf Aemond wurde von den Drehbuchautoren erfunden und aus Rhaenyras politischer Verbindung zu Mysaria wurde in der Serie eine sexuelle Beziehung. Auch Ulfs Verrat stammt aus der Vorlage, wurde für HBOs Adaption aber stark verändert.
Der Auftakt zeigt, wie weit sich Rhaenyra von jener smarten Powerfrau entfernt hat, die lange den moralischen Anker der Serie bildete. Statt ihrer labilen Halbschwester mit Sanftmut zu begegnen, bedrängt sie die hellsichtige Helaena und verlangt Auskunft über Ormund Hohenturm, die Winterwölfe und den Verlauf des Krieges. Im Grunde möchte Rhaenyra von ihr lediglich hören, dass die Götter sie für den Eisernen Thron bestimmt haben.
Rhaenyras Kontrollverlust wäre angesichts der erlittenen Schicksalsschläge durchaus verständlich. Das Problem liegt nicht in der Entwicklung an sich, sondern in der abrupten Umsetzung. In der dritten Staffel wurde aus der smarten Anführerin eine Getriebene, die sich an Prophezeiungen klammert, von Mysaria einwickeln lässt und nur noch reagiert, statt zu agieren. Emma D’Arcy spielt zwar stark, kann aber nicht kaschieren, dass das Drehbuch Rhaenyra genau der Qualitäten beraubt, die sie einst zum Fundament der Serie gemacht haben.
Aemonds Aufenthalt in Harrenhal dreht sich endgültig im Kreis. Zwischen Schwerttraining und ödipalem Fiebertraum bleibt schlicht kein Platz für Entwicklung: Erst wälzt er sich mit der Halluzination seiner Mutter im Bett, nur um erschrocken festzustellen, dass Alys Strom unter ihm liegt. Selbst als Alicent später leibhaftig auftaucht, wirkt das Geschehen merkwürdig entkoppelt. Als seine Mutter ihn schließlich vergiftet, schleppt sich Aemond natürlich noch zu Alys, bevor er zusammenbricht. Spannung? Null. Uns allen ist klar, dass sie ihn wieder zusammenflicken wird. Der vermeintliche Mordanschlag ist ein dramaturgischer Rohrkrepierer und Aemond verkommt vom gefürchteten Drachenreiter zum leidenden Muttersöhnchen.
Gemeinsam mit Larys Kraft und Tyland Lennister versucht der entmachtete Aegon, nach Essos zu fliehen. Soldaten des Hauses Muton schneiden ihnen jedoch den Weg ab. In aussichtsloser Lage entbindet Aegon seine Gefährten von ihren Pflichten: Während Larys seinem Überlebensinstinkt folgt und das Weite sucht, bleibt Tyland seinem Souverän treu. Aegon zieht das Schwert und stellt sich der Übermacht – kein strahlendes Heldentum, sondern der letzte, verzweifelte Versuch eines gebrochenen Mannes, im Angesicht des Todes die Kontrolle zurückzuerlangen.
Doch das Drehbuch verweigert ihm diese Konsequenz: Exakt im richtigen Moment stapft Sonnfeuer aus dem Wald – als hätte Aegon den Drachen kurz vorher bei Lieferando bestellt. Die Szene soll die magische Bindung zwischen Reiter und Drache unterstreichen, verkommt durch das perfekte Timing aber zur reinen Plot Convenience.
Rhaena spürt Schafsdieb in den Flusslanden auf – getrieben von dem irrsinnigen Plan, Vhagar zu töten und Wiedergutmachung für Jacaerys’ Tod zu leisten. Als Daemon seine Tochter stellt, keimt für einen kurzen Moment väterliche Reue auf. Doch ehe aus der Begegnung eine echte Aussprache werden kann, platzen Rhaenyra und Addam hine