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Rentendebatte: Wie realistisch ist Arbeiten bis 67 Jahre?
Jobs in der Kiesgrube, auf dem Bau oder in der Pflege: Viele Berufe sind körperlich und auch sozial besonders belastend. Oft erreichen Beschäftigte nicht das reguläre Rentenalter.
6.30 Uhr in einer Kiesgrube am Harz im Landkreis Göttingen. Für Uwe Kersten und Axel Böttcher beginnt die Schicht. Kersten ist 61 Jahre alt und muss noch drei Jahre arbeiten, bis er in Rente gehen kann. Im Landkreis Göttingen arbeiten knapp 3.100 Menschen in der Bauindustrie, Uwe Kersten ist einer von nur 180 Beschäftigten, die über 60 Jahre alt sind.
"Das wundert mich nicht", sagt Kersten. Er kenne viele Kollegen, die sich mit Mitte 50 einen ruhigeren Job suchen, wenn sie denn einen finden, oder in Frührente gegangen sind. "Man muss einfach sagen, die Kollegen konnten einfach nicht mehr. Ihre Gelenke waren einfach verschlissen."
Besonders pessimistisch sind Arbeitnehmer aus den Bereichen Pflege, Handwerk und Bau.
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Das betrifft nicht nur Beschäftigte der Baubranche. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) bestätigt das. "Viele Menschen, die in solchen Berufen lange arbeiten, erreichen gar nicht unbedingt in ihrem Beruf das Renteneintrittsalter. Das heißt, die gehen entweder vorher in eine gesundheitsbedingte Erwerbsminderungsrente oder wechseln den Beruf", erklärt Johannes Geyer.
Er forscht am DIW unter anderem zum Thema Rente. Zu den belastenden Berufen gehörten aber nicht nur Berufe der Baubranche. "Es geht auch um psychosoziale Belastung", erklärt Geyer. Dazu zählen zum Beispiel Berufe in sozialen Bereichen oder der Pflege.
Uwe Kersten muss heute ein Sieb einer großen Maschine austauschen, die Steine aus der Erde aussortiert. Dazu klettert er über die Förderbänder in die Maschine hinein. Sein Kollege arbeitet von außerhalb der Maschine und balanciert auf etwa fünf Metern Höhe auf den Stahlrippen. "Ich mach das jetzt 38 Jahre und merke, dass ich immer größere Regenerationsphasen brauche. Vor noch fünf Jahren hat mir das nichts ausgemacht," erzählt der 61-Jährige. Da sei er topfit nach Hause gekommen und habe noch Kraft zum Fußballspielen oder zum Heimwerken gehabt.
FAQ
03.08.2026
Erneut wird über das Rentenpaket debattiert - vor allem über den abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Jahren.
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"Diejenigen, die wirklich von der Anhebung des Rentenalters betroffen sind, sind diejenigen, die es gesundheitlich aus irgendwelchen Gründen besser geschafft haben, in ihrem Beruf alt zu werden", sagt Johannes Geyer. Diese Gruppe der Gesündesten sei die, die dann zwei bis drei Jahre länger arbeiten müsste, je nach Reform. Das habe eine besondere Härte, denn jedes zusätzliche Jahr müsse man sich gesondert angucken. "Die Beschäftigten haben schon die Belastung aus der Vergangenheit, die sie mitschleppen, und sind zusätzlich noch einmal älter geworden", so Geyer. Jedes weitere Jahr werde so nur noch anstrengender.