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Zahlen, bitte! Atlantropa: 14.200 Meter langer Damm für eine neue Welt
Das 1931 von einem Deutschen erdachte wahnwitzige Atlantropa-Projekt sollte den Energiehunger Europas stillen und das Mittelmeer in Teilen austrocknen.
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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Während die Welt im Sommer 2026 neugierig nachschaut, wo Ceuta eigentlich liegt, sei auf ein anderes Stück Geschichte verwiesen. 95 Jahre zuvor erschien in den sozialistischen Monatsheften der Artikel „Europa-Afrika: Ein Weltteil“. In ihm beschrieb der Architekt und Pazifist Hermann Sörgel den Bau eines 14,2 Kilometer langen Staudammes in der Meerenge von Gibraltar, mit dem der Kontinent Panropa entstehen würde.
In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Mit dem Staudamm sollte ein Wasserkraftwerk entstehen, das ganz Europa mit Strom versorgt, ferner ein Eisenbahntunnel für die direkte Verbindung Berlin-Kapstadt ohne Umsteigen. Der Staudamm sollte dafür sorgen, dass das Mittelmeer kontrolliert abgesenkt und 660.000 Quadratkilometer Neuland zur landwirtschaftlichen Nutzung gewonnen wird.
Die Utopie von Panropa sollte Europa beflügeln und Afrika für die Europäer erschließen: „Vor allem aber braucht die europäische Menschheit in ihrer Hoffnungslosigkeit und seelischen Depression wieder ein großes Ziel zur Wiederaufrichtung, zur Freude am Leben.“
Nur ein Jahr nach diesem Artikel veröffentlichte Sörgel ein ganzes Buch über „Atlantropa“, wie der neue Kontinent in seiner Vorstellung heißen sollte. In „Atlantropa“ beschrieb er nicht nur den 100 Meter hohen Damm, der östlich vom spanischen Tarifa entlang der seichtesten Stelle der Meerenge über 14.200 Meter zum marokkanischen Tanger führen sollte und der mit einer Höhe von 100 Metern und einer Breite von 1600 Metern geplant war.
Im Buch war von einem zweiten Staudamm zwischen Sizilien und Tunesien die Rede, der das westliche Becken des Mittelmeeres vom östlichen trennen sollte, ein dritter am Bosporus. Auch ein Verwaltungszentrum des Jahrtausendprojektes wurde von Sörgel visioniert. Es sollte in der neutralen Schweiz entstehen und dem Völkerbund untergeordnet sein.
Der gut vernetzte „Weltarchitekt“ Sörgel brachte andere bekannte Architekten wie Peter Behrends dazu, sich mit Skizzen und Entwürfen (PDF-Datei) an Atlantropa zu beteiligen. Mit einer für die damalige Zeit modernen Multimedia-Show verschaffte sich Sörgel die nötige Aufmerksamkeit. Sie reichte schließlich so weit, dass Albert Einstein einen Brief an Sörgel schrieb, in dem er sich nach den wissenschaftlichen Grundlagen für die Annahme erkundigte, dass das Mittelmeer abgesenkt werden kann.
Als Pazifist erhoffte sich Sörgel, dessen Vater das 1924 erbaute Walchensee-Großkraftwerk konstruiert hatte, auf die europäische Völkerverständigung durch die dann überreichlich vorhandene Elektrizität. Sie sollte von 1000 Turbinen erzeugt werden. Überzeugt davon, dass die Vorräte Europas an Kohle und Öl bald erschöpft sein werden, sollte sein Atlantropa die bevorstehende Energiekrise meistern und das Raubtier Mensch befriedigen.