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Drohne am Flughafen Leipzig/Halle: Dobrindt sieht "hybrides Anschlagsszenario"
Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff am Flughafen Leipzig/Halle zeigen sich die Behörden alarmiert. Bundesinnenminister Dobrindt sprach von einer "neuen Gefahrenqualität".
Der Fund einer Drohne mit Sprengvorrichtung am Flughafen Leipzig/Halle stellt nach den Worten von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt "eine neue Gefahrenqualität" dar. Es sei seine Einschätzung, "dass wir es hier mit einem hybriden Anschlagsszenario zu tun haben", sagte der CSU-Politiker am Abend in einem Gebäude des Flughafens. Dass eine Drohne "bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario".
Die Urheber dieser Planung sieht Dobrindt nicht im Amateurbereich, erklärt er später im Interview mit den tagesthemen. Er wolle sich keinen Spekulationen anschließen, aber auch staatliche Akteure kämen in Betracht: "Das können auch fremde Mächte sein", sagte er mit Bezug auf die Urheber der Drohne. "Es ist auf jeden Fall nicht auszuschließen."
Der Vorfall markiere den ersten Fall innerhalb Deutschlands, bei dem eine Drohne mit Sprengstoff beladen gewesen sei, so Dobrindt. Man müsse nach jetzigen Erkenntnissen davon ausgehen, dass es sich um militärischen Sprengstoff handele.
"Man muss wissen, dass es diese Bedrohungslage gibt", erklärte der Bundesinnenminister. Daher habe er die Lageeinschätzung bereits vor Wochen von einer abstrakten Bedrohung zu einer hohen Bedrohungslage hochgestuft.
Der Flugbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle war gegen Mitternacht wegen einer Drohnensichtung kurzzeitig eingestellt worden. Mitarbeiter hatten daraufhin eine mit Sprengstoff bestückte Drohne entdeckt. Spezialisten der Bundespolizei entschärften den Zünder. Bei einem zweiten Vorfall in der Nacht kollidierte ein unbekanntes Objekt mit einer Frachtmaschine, die daraufhin mit leichten Schäden in Hannover landete.
Unklar ist bislang, woher die Objekte kamen und ob die Fälle zusammenhängen. Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im Landeskriminalamt ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum haben die Ermittlungen aufgenommen.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung entging der Flughafen mit der präparierten Drohne wohl nur knapp einer Katastrophe. Der Zünder im angehängten Paket sei offenbar abgerissen und dadurch sei eine Explosion verhindert worden, zitierte der Bericht aus Ermittlungsunterlagen. Die Drohne befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine.
Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als Drehscheibe für Rüstungsgüter im Ukraine-Krieg. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine kommt es auch in Deutschland verstärkt zu Drohnensichtungen sowie zu Ausspähungen kritischer Infrastruktur und von Militäreinrichtungen.
Der ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmidt sprach in der tagesschau von einem Anschlagsversuch. "Wir reden ja schon länger über die Gefahren, die Drohnen an Flughäfen verursachen können", sagte er. "Aber Sprengstoff und Zünder, das ist für Deutschland eine neue Qualität. Und deswegen ist das auch für die deutschen Sicherheitsbehörden heute ein sehr unruhiger Tag und eine sehr beunruhigende Entwicklung."