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Ukraine: Schutzlos gegen ballistische Raketen
Russland greift die Ukraine verstärkt mit ballistischen Raketen an - mit tödlichen Folgen. Die Zahl ziviler Opfer stieg zuletzt erheblich, auch weil der Ukraine die Munition zur Flugabwehr fehlt.
Kiew galt lange als einer der bestgeschützten Orte des Landes. Doch aktuell klafft eine Lücke im mehrschichtigen System der ukrainischen Luftverteidigung. Es fehlen "Patriot"-Flugabwehrraketen. Genauer gesagt: "PAC-3"-Raketen, die optimiert sind für die Abwehr ballistischer Raketen.
Die Abfangquoten bei Drohnen und Marschflugkörpern sind noch immer gut, liegen oft zwischen 70 und 90 Prozent. Doch gegen die massiven Angriffe mit oft Dutzenden ballistischen Raketen kann sich die Ukraine nicht verteidigen.
Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte konnten im Juli nur etwa 15 Prozent der ballistischen Raketen abgewehrt werden. Mit verheerenden Folgen: Die Zahl getöteter Zivilistinnen und Zivilisten ist laut Angaben der Vereinten Nationen (UN) um 37 Prozent gestiegen.
Danielle Bell, Leiterin der UN-Beobachtermission in der Ukraine, spricht von einem "alarmierenden Eskalationstrend", der durch den zunehmenden Einsatz von hochwirksamen Waffen in dicht besiedeltem Gebiet verursacht werde.
Kaum ein Tag vergeht aktuell, ohne verzweifelte bis frustrierte Bitten und Forderungen der ukrainischen Führung um mehr Unterstützung bei der Luftverteidigung. 300 Abfangraketen benötige man bis zum Winter, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jüngst dem US-Medium Axios.
Doch das ist nach Einschätzung von Experten unrealistisch. Nur 14 Staaten weltweit nutzen die "PAC-3"-Abwehrraketen. Keiner von ihnen hat von Hersteller Lockheed Martin bisher eine echte Produktionslizenz erhalten. Alle sind sie abhängig von den Vereinigten Staaten, die die Systeme herstellen.
Das europäisch-ukrainische Luftverteidigungsprojekt "Freyja" soll hier Abhilfe schaffen. Es ist aber gerade erst angelaufen. Eine erste Testphase soll im kommenden Jahr beginnen. Bis zur Einsatzfähigkeit könnten mehrere Jahre vergehen.
Die Bestände der "PAC-3" sind ausgenommen asiatischer Länder, die keine Waffen an die Ukraine liefern, weltweit minimiert. Europäische Länder haben der Ukraine bereits einen Großteil ihrer Flugabwehrraketen zur Verfügung gestellt.
Die USA und die Golfstaaten haben ihre Abfangraketen im Iran-Krieg verschossen. Das Center for Strategic and International Studies schätzt die amerikanischen Bestände aktuell auf etwa 800 "PAC-3". Vor dem Krieg gegen Iran lagen sie bei etwa 2.300.