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Wissenschaft - Wie sich ein chinesisches Genie täuschte – und doch als Dompteur von Drachen und Kröten bis heute Recht behält [Best of GameStar]
Eine Kugel nimmt neben Drachen und Kröten die Hauptrolle in einem trickreichen Gerät aus dem alten China ein. Seine Fähigkeit überzeugt bis heute - auch wenn sein Erfinder sich irrte.
(Bildquelle: Wikimedia Commons und Adobe Firefly, generative KI)
Achtet darauf, welcher Drachenkopf die Kröte füttert. Das gefüllte Maul sagt euch, wo das Beben seinen Anfang nahm. Wer sich jetzt fragt, welch seltsame Wette unser Autor Gerald verloren hat, der irrt.
Denn wir beschreiben euch Hightech des alten Chinas: das erste bekannte Seismoskop der Menschheitsgeschichte. Es registrierte automatisch Erdbeben und zeigte sogar, in welcher Himmelsrichtung sie sich ereigneten.
Bei diesem Artikel handelt es sich um Archiv-Content, den wir für euch noch einmal neu hochgezogen haben.
Vor fast 2.000 Jahren entstand eine Verschmelzung aus Skulptur, Gefäß und wissenschaftlichem Apparat oder kurzum geniale Ingenieurskunst, ein Seismoskop. Sein Name Houfeng didong yi.
Das bedeutet ins Deutsche übersetzt: Instrument, um auf den Wind horchen. Zu dieser expliziten Bedeutung weiter unten mehr. In der Wissenschaft heißt es meist geläufig Houfeng-Seismoskop oder Houfeng-Erdbeben-Instrument.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Sein Erfinder gilt als Universalgelehrter, ähnlich wie Leonardo da Vinci mehr als ein Jahrtausend später. Zhang Heng lebte von 79 bis 139 nach Christus in China – die Epoche der Herrschaft der Han-Dynastie. Seine Professionen reichten von Erfinder und Astronom über Bauingenieur, Wissenschaftler, Berater bis hin zum Künstler.
Laut historischen Aufzeichnungen sei mittels seines Seismoskops ein Beben Hunderte Kilometer erkannt worden. Das Gerät habe die für Menschen vor Ort nicht zu spürenden Erschütterungen erkannt und Wochen später seien Berichte eingetroffen, die ein starkes Beben in einem entfernten Teil Chinas bestätigten.
Der äußere Mechanismus, quasi das Display: Die acht Köpfe der Drachen, die außen am oberen Rand des Gefäßes hervorragen, tragen je eine Kugel in ihrem mechanischen Rachen. Der Durchmesser des Geräts beträgt etwa zwei Meter. Jeder Drache steht für eine der acht Haupthimmelsrichtungen (Nord, Nordwest, West, Südwest, Süd, Südost, Ost, Nordost). Darunter wartet ein aufgerissenes Krötenmaul auf die jeweilige Kugel. Fällt eine Kugel, hat die Erde gebebt. Das aktivierte Tierpärchen zeigt die Richtung an, aus der eine Erschütterung das Houfeng didong yi traf. Doch was steckt dahinter?