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Entlassungswelle bei id Software: Entwickler hält Spiele wie Doom mit halbem Team für unmöglich
Nach den massiven Microsoft-Kürzungen spricht Lead Services Provider Chris Hayes über fehlende Teams, den Game Pass und die veränderte Studio-Kultur.
Ein führender Entwickler bei id Software hat sich zu den massiven Stellenstreichungen von Microsoft bei dem Studio geäußert. Seiner Aussage nach sei es schlicht „unmöglich“, Blockbuster-Titel wie das Doom von 2016 mit nur der Hälfte der Belegschaft auf die Beine zu stellen.
Chris Hayes, Lead Services Provider bei id Software, sprach dazu im Well Played Podcast mit André Peschke. Das rund 90-minütige Gespräch drehte sich ausschließlich um die jüngste Entlassungswelle. Hayes beleuchtete dabei sowohl die Ereignisse im Vorfeld der Kündigungen als auch die Bestrebungen, bei id Software eine Gewerkschaft zu gründen.
„Es ist verdammt schwer, ein AAA-Spiel auf dem gewohnten Niveau zu entwickeln, wenn man nur noch die Hälfte der Leute hat. Und mit schwer meine ich unmöglich“, betonte Hayes. „Wie soll man ein Spiel machen, wenn ganze Abteilungen fehlen – wenn komplette Fachbereiche einfach nicht mehr existieren?“
id Software ist ein US-amerikanisches Entwicklerstudio und Pionier des Ego-Shooter-Genres (Doom, Quake, Wolfenstein). Seit der Übernahme von ZeniMax Media im Jahr 2021 gehört das Studio zur Gaming-Sparte von Microsoft (Xbox Game Studios).
Hayes ergänzte, dass die Führungsetage nach den Entlassungen versucht habe, die Gemüter zu beruhigen: Man sei nach wie vor „dasselbe id Software“. Diese Botschaft verbreitete das Studio auch öffentlich und betonte, dass man keineswegs „vollkommen ruiniert und ausgeschlachtet“ worden sei. Hayes sieht das völlig anders: „Wir sind nicht mehr dasselbe Studio. Wir sind nur noch die Hälfte davon.“
Laut Hayes dienen diese Beschwichtigungen vor allem dazu, die verbliebenen Entwickler vom Kündigen abzuhalten. Er geht davon aus, dass die Aussagen direkt aus einem Gesprächsleitfaden stammen, den Microsoft den Studioleitungen vorgegeben hat.
Im Laufe des Gesprächs hakte Peschke bezüglich der Behauptung von Microsoft nach, bei id arbeiteten heute noch ähnlich viele Entwickler wie zum Release von Doom im Jahr 2016. Der Podcaster wies darauf hin, dass die Credits von damals deutlich mehr Entwickler listen, als heute noch im Studio beschäftigt sind. Hayes entgegnete darauf trocken: „Sie sagen nicht ohne Grund ‚fast genauso viele‘ – weil es schlicht weniger sind.“
Auch zum Game Pass und den Problemen, die id Software mit dem Abo-Dienst hat, fand Hayes deutliche Worte: „Wir sehen immer wieder Finanzberichte, in denen von schwachen Verkaufszahlen unter Bethesda die Rede ist. Aber was bedeutet schon ‚Verkauf‘, wenn man den Game Pass hat? Meinen sie mit schwachen Verkaufszahlen etwa reine Stückzahlen? Natürlich fallen die niedriger aus – das Geschäftsmodell basiert schließlich gar nicht mehr auf klassischen Spielverkäufen.“
Zudem zeigte sich Hayes überzeugt, dass den Verantwortlichen hinter den Kürzungen jegliches Branchenverständnis fehlt: „Sie verstehen weder Kunst noch Spiele, und schon gar nicht das Geschäftsmodell.“ Auf die Nachfrage, warum sie die künstlerische Komponente nicht verstünden, erklärte Hayes: „Wer die Hälfte eines Studios feuert und ignoriert, wie ein Spiel überhaupt entsteht, der begreift nicht, dass erst der Zusammenhalt unserer Teams unseren Erfolg möglich gemacht hat.“