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Pressefreiheit: Wie ARD-Journalisten aus Iran berichten
Die Bedingungen für freie Berichterstattung aus Iran sind schlecht. Trotzdem ist es möglich, mit Menschen aus dem Land zu sprechen. Das zeigen auch jüngere Beispiele aus tagesschau und tagesthemen. Ein Gastbeitrag von Natalie Amiri.
Ich habe neun Jahre als Journalistin für die ARD in Iran gearbeitet. In der Islamischen Republik Iran. Jedes Mal, wenn ich in das Land einreiste und an der Passkontrolle stand, klopfte mir mein Herz. Jedes Mal hatte ich eine WhatsApp-Nachricht an meine Kontaktperson parat. Mit dem Text: Sie haben mich.
Damit zumindest mein Team in Iran es weiß: meine Verbündeten, das wahrscheinlich kleinste Team der gesamten ARD. Ein Team, das ich zu jeder Uhrzeit anrufen konnte. Mit dem ich über alles sprechen konnte. Wir schmiedeten stundenlang Pläne, wie man einen Beitrag für die tagesschau, für eine Länge von eineinhalb Minuten so umsetzen konnte, dass wir alles sagen, ohne dass unser ARD-Büro geschlossen wird. Und dass wir trotzdem die Lage vor Ort authentisch beschreiben.
Ausländische Korrespondenten werden bei "falscher Berichterstattung", also nicht genehmer Berichterstattung, des Landes verwiesen - oder kommen erst gar nicht rein. Das erfuhren zahlreiche internationale Korrespondenten gerade während der "Grünen Bewegung" 2009. Sie durften nie wieder einreisen. Damals erhielten wir nach zwei Tagen Protesten ein Fax, uns sei es nicht mehr erlaubt, auf die Straße zu gehen.
Es war ein Auf und Ab, wie man uns Journalisten in Iran behandelt hat. Es kam immer darauf an, wie paranoid der Staat gerade war. Ich wurde vom Geheimdienst verhört, mein Pass wurde mir abgenommen, ich war ausreisegesperrt, ich wurde bedroht.
Der Geheimdienst hat mein Handy abgehört, Wanzen in der Wohnung versteckt, sie haben mich und mein Team verfolgt. Menschen wurden eingeschüchtert, damit sie uns keine Interviews geben. Bereits vereinbarte Interviews wurden von den Protagonisten wieder abgesagt, weil sie Anrufe bekamen, in denen sie eingeschüchtert wurden.
Als Journalist, der nicht die politische Linie der Islamischen Republik vertritt, ist man in Iran in den Augen der Machthaber kein objektiver Berichterstatter, den es zu schützen gilt. Man ist der Feind. Auf jeder Pressekonferenz, Demonstration oder bei einem Dreh auf der Straße, hat man uns das spüren lassen.
Für das Regime sind Journalisten aus dem Westen Teil einer Verschwörung gegen die Islamische Republik. Für sie sind wir Spione, die Unruhen schüren und Demonstranten auf der Straße anstacheln, sich gegen das Regime aufzulehnen.
Wie geht nun in den aktuellen Zeiten solch ein Regime, das Journalisten in Friedenszeiten schon wie den Feind behandelt, mit den wenigen noch verbliebenen Journalisten aus dem Westen um? Es ist verdammt schwer, überhaupt einen einzigen Bericht zu produzieren, der die Lage vor Ort authentisch widerspiegelt. Weil es dafür Menschen braucht, die bereit sind und den Mut haben, in diesen Zeiten mit dem "Feind" zu sprechen.
Für viele Menschen in Iran sind wir nicht der Feind - im Gegenteil: Sie hoffen, dass ihre Sorgen und Stimmen den Weg in die Welt finden. Doch westlichen Medien ein Interview zu geben, kann lebensgefährlich sein, weil schnell der Vorwurf der Kollaboration erhoben wird. Umso größer ist die Bedeutung jedes Gesprächs: Es ist ein Vertrauensakt, oft möglich nur im engsten Bekanntenkreis, wo überhaupt noch Vertrauen existiert. Wenn jemand bereit ist, offen zu sprechen, nicht anonym, sondern mit Gesicht und Stimme, dann ist das mehr als ein Interview. Es ist ein Akt von Mut, der Anerkennung verdient. Wir wissen das und sind jedes Mal dankbar.