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Der Security-Coprozessor in vielen CPUs ist unsicher
Das Trusted Platform Module ist das wichtigste Glied in der Vertrauenskette von PCs. Ausgerechnet dieses TPM ist angreifbar.
Viele Systeme mit Prozessoren von AMD und Intel sind über eine gemeinsame Komponente verwundbar: über das Trusted Platform Module, das bei modernen Prozessoren auf einem abgeschotteten Mikrocontroller-Kern als Firmware läuft (fTPM 2.0). Das Firmenkonsortium Trusted Computing Group liefert fTPM-2.0-Referenzcode, den unter anderem AMD und Intel in ihre BIOS-Versionen integrieren. Beide Firmen sind Teil der Gruppe.
Früherer Referenzcode wies schwerwiegende Mängel auf, welche die Trusted Computing Group selbst gemeldet hat. Daraus ergeben sich zwei Sicherheitslücken: CVE-2026-6726 und CVE-2026-6727. Im verbreiteten Common Vulnerability Scoring System (CVSS) weisen die Lücken hohe Schweregrade von 8,5 und 8,3 auf.
Ein Trusted Platform Module steht am Beginn der Vertrauenskette (Root of Trust) von Servern, Desktop-PCs und Notebooks. Im TPM sind kryptografische Schlüssel gespeichert, über deren Abgleich Systeme etwa die Echtheit des aufgespielten UEFI-BIOS sicherstellen. Windows nutzt das TPM für die Bitlocker-Verschlüsselung. Sicherheitslücken ermöglichen tiefgehende Änderungen am System.
Die gute Nachricht: Zur Ausnutzung ist lokaler Zugriff mit privilegierten Rechten notwendig. Damit sind die Sicherheitslücken für Privatnutzer von wenig Belang. Relevant sind sie etwa in Unternehmen: Angreifer könnten ein Notebook kompromittieren, es als sicheres Firmengerät ausgeben und sich so in das gesamte Unternehmensnetzwerk einnisten.
CVE-2026-6727 ist ein Seitenkanalangriff, der über Zeitversätze Geheimnisse aus dem TPM auslesen kann. Eine präparierte Software schickt unzählige Befehle an den Coprozessor und stoppt die Zeit, die das System zur Beantwortung benötigt. Dabei füllt das Programm die Blöcke des eingesetzten Verschlüsselungsverfahrens RSA-OAEP auf. Korrekte und falsche Füllwerte liefern unterschiedliche Antwortzeiten, womit sich Informationen extrahieren lassen.
CVE-2026-6726 hebelt die Prüfung der hinterlegten kryptografischen Schlüssel aus. Unter bestimmten Umständen invalidiert ein TPM verworfene Keys nicht korrekt, sodass Angreifer einen neuen falschen Key an derselben Adresse als echt ausgeben können. Das wiederum erlaubt tiefgreifende Manipulation am System.
Bei AMD sind alle Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren mit Zen-Architektur betroffen, von Ryzen 1000 bis Ryzen 9000 beziehungsweise Ryzen AI 400 (Security-Bulletin). Bei Servermodellen zählt AMD ausschließlich die kleineren Desktop-Brüder Epyc 4004 und Epyc 4005 auf, nicht aber die Vielkerner unter den 7000er- und 9000er-Bezeichnungen.
Bei Intel sind Desktop-, Notebook- und Embedded-Prozessoren bis einschließlich der Core-Ultra-200-Serie betroffen (Security-Bulletin 1, 2). Bei den Servermodellen nennt Intel Baureihen bis zu den Xeon Scalable der dritten Generation (Ice Lake) aus dem Jahr 2021.
Sowohl AMD als auch Intel haben bereits neue Firmware-Versionen an Hersteller von Desktop-PCs, Notebooks und Mainboards verteilt, die über die nächsten Wochen und Monate entsprechende BIOS-Updates anbieten werden. Gleichzeitig kommen aber auch Software-Patches etwa für die Debian-Bibliothek libtpms und zahlreiche Windows-Versionen.