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Bahn weitet Bodycam-Einsatz aus, testweise auch Tonaufnahmen
Laut DB nehmen Übergriffe auf ihre Beschäftigten zu. Zugpersonal wurde bereits mit Bodycams ausgestattet. Nun sollen auch Mitarbeiter an Bahnhöfen folgen.
Hunderte weitere Mitarbeiter der Deutschen Bahn sollen mit Bodycams ausgestattet werden. Rund 2700 Beschäftigte im Bahnhofsservice und in der Stationsbetreuung sollen schrittweise die Möglichkeit bekommen, freiwillig eine solche Kamera zu tragen, wie der Konzern mitteilte. Erste Geräte sind demnach bereits an den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main und Bielefeld im Einsatz. Vor der Nutzung sollen die Beschäftigten geschult werden.
„Unsere Mitarbeitenden sollen besser geschützt sein: Dafür können sie jetzt auch auf eine Bodycam als Teil der persönlichen Schutzausrüstung zugreifen“, teilte Katja Hüske, Vorständin Personenbahnhöfe DB InfraGO, mit. Die Bahn erhofft sich von den Kameras vor allem eine deeskalierende Wirkung in Konfliktsituationen. Sie sollen zudem präventiv wirken sowie „der Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie der Beweissicherung“ dienen.
Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Regionalverkehr im Februar angekündigt, dass noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit einer solchen Kamera ausgestattet werden sollen.
Die Bodycams tragen die Bahn-Beschäftigten an der Oberbekleidung. Kommt es zu einer gefährlichen Situation, können die Geräte per Knopfdruck eingeschaltet werden.
DB Regio will die Tonaufzeichnung eigenen Angaben zufolge zunächst in der Region Rhein-Neckar-Pfalz testen. Der auf zwei Monate angelegte Pilotversuch soll spätestens am 1. Oktober 2026 beginnen. Aus der Pilotphase heraus soll die Technik laut Unternehmen anschließend schrittweise bundesweit eingeführt werden. Die Tonaufzeichnung soll nach Angaben von DB Regio die Deeskalation unterstützen und zudem die Verfolgung von Straftaten erleichtern.
Tonaufzeichnungen unterliegen strengeren Datenschutzvorgaben als reine Videoaufzeichnungen, da das gesprochene Wort besonders schützenswert ist. Der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit ist laut DB über Konzerndatenschutz und Konzernsicherheit in den Einführungsprozess eingebunden und informiert.
In den Zügen werden Bodycams bereits genutzt – sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr. Das Personal in den Zügen kann sie freiwillig nutzen. Anfang Juli hatte die Deutsche Bahn mitgeteilt, dass sie rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fernverkehr mit Bodycams ausstatte: Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sowie Beschäftigte in der Bordgastronomie und in den DB Lounges. Im Februar hatte ein Bahn-Sprecher gesagt, es gebe bundesweit rund 1400 Bodycams für Zugbegleiter bei DB Regio.
Auch außerhalb des DB-Konzerns gibt es einen solchen Versuch: Die von Transdev betriebene S-Bahn Hannover testet nach einem Aushang in den Zügen seit September 2025 im Rahmen eines Pilotprojekts Bodycams für Kundenbetreuende. Anders als beim aktuellen DB-Regio-Versuch geht es dort nach den vorliegenden Angaben nicht um Tonaufzeichnungen.
Der Anlass für die Ausstattung mit den Videokameras ist die Zunahme der Übergriffe auf Bahn-Personal. So teilte die DB mit, dass im Regionalverkehr im ersten Halbjahr fast 1000 Vorfälle registriert wurden. Dies sei eine Zunahme um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewesen.