// HEISE ONLINE — MOBILE & WEB
Halbleiterwerk offenbar zerstört: Schlag gegen russische Rüstungsproduktion
Videos zeigen ein zerstörtes Halbleiterwerk im russischen Woronesch. Laut ukrainischer Datenbank entstanden dort Komponenten für Marschflugkörper.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Die ukrainische Armee hat laut eigenen Angaben ein wichtiges russisches Halbleiterwerk zerstört, in dem Bauteile unter anderem für Marschflugkörper entstanden sein sollen. Diverse Videos mit dicken Rauchschwaden über der russischen Stadt Woronesch untermauern die Bekanntgabe.
Laut dem ukrainischen militärischen Nachrichtendienst betreibt die sanktionierte Firma Voronezh Semiconductor Equipment Factory (VZPP-S, ВЗПП-С) das Werk, teilweise Mikron genannt. Laut eigener Webseite stellt VZPP-S unter anderem programmierbare Logikgatter, Transistoren, Dioden und weitere Leistungshalbleiter her. Die Firma soll laut der Ukraine zu den wichtigsten Halbleiter-Lieferanten für das russische Militär zählen. Angeblich entstehen die Bauteile größtenteils mit Strukturbreiten bis 180 Nanometer, vereinzelt auch 90 nm.
Während sich VZPP-S zu militärischen Komponenten bedeckt hält, stellt der ukrainische Nachrichtendienst detaillierte Verbindungen auf. Demnach entstanden in Woronesch Bauteile für den Marschflugkörper Kh-101 sowie für das Iskander-K-Waffensystem. Beide hat Russland auch für Angriffe auf die Ukraine verwendet.
Die Datenbank nennt etwa die Transistorgruppen „1NT251 4 NPN“ und „2TS622A“ im Höhenmesser „UVK-208“ der Kh-101. Für die Iskander-K-Marschflugkörper soll VZPP-S Teile des Onboard-Computers beisteuern. Außerdem soll die Firma Dioden und Transistorbaugruppen für das Luftabwehrsystem Panzir-S1 herstellen.
Die ukrainische Armee bestätigte den Angriff über soziale Medien wie Facebook und Telegram. Demnach wurde das Halbleiterwerk mithilfe von aus der Luft abgefeuerten Marschflugkörpern zerstört.
Jedes verlorene Lithografie-System zur Herstellung von Halbleitern ist für Russland ein herber Schlag. Das Land stellt keine eigenen Systeme her, sondern dürfte maßgeblich auf Grauimporte über Drittländer setzen. Dazu zählen laut Berichten von 2022 alte ASML-Geräte. Sanktionen erschweren die Beschaffung neuer Lithografie-Systeme.
Spezifische Halbleiterteile lassen sich derweil nicht kurzfristig ersetzen, da sie bestimmte Spezifikationen erfüllen und dafür zertifiziert sein müssen. Die Ukraine zeigt sich daher zuversichtlich, dass Russland künftig weniger Marschflugkörper herstellen kann.
Keine News verpassen! Jeden Morgen der frische Nachrichtenüberblick von heise online