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Steinzeitmenschen waren schon vor 10.000 Jahren in den Hochpyrenäen
Die Hochlagen der zentralen Pyrenäen waren keineswegs über Jahrtausende menschenleer. 124 Radiokarbondatierungen aus dem Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici und seiner unmittelbaren Umgebung zeigen, dass Menschen die Region seit dem frühen Holozän immer wieder nutzten, wobei ihre Aktivität im späten Neolithikum und in der Spätantike besonders deutlich zunahm.
Bellaterra (Spanien). Hochgebirge galten in der Archäologie lange als randständige Räume, die Menschen nur in Ausnahmefällen aufsuchten. Neue Ausgrabungen haben dieses Bild in vielen Gebirgsregionen bereits verändert. Für die südlichen Zentralpyrenäen fehlte bislang aber eine systematische, über viele Jahrtausende reichende absolute Chronologie der menschlichen Nutzung.
Forscher der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) um Ermengol Gassiot-Ballbè haben dafür die Radiokarbondaten aus rund zwei Jahrzehnten Geländeprospektion und Ausgrabung zusammengeführt. Die Datensammlung umfasst 124 Datierungen aus 45 Fundstellen im Nationalpark und seiner unmittelbaren Umgebung, überwiegend von Holzkohle und in vier Fällen von verkohlten Samen.
Die Fundstellen reichen von Felsunterständen und Höhlen bis zu offenen Siedlungsresten und Öfen. Für die Auswertung kalibrierten die Archäologen die Kohlenstoff-14-Daten und kombinierten ihre Wahrscheinlichkeitsverteilungen, um Phasen stärkerer und schwächerer Nutzung sichtbar zu machen. Weil einzelne Fundplätze unterschiedlich intensiv untersucht wurden, korrigierten sie einen Teil dieses Ungleichgewichts statistisch.
„Die erste offen veröffentlichte systematische Serie absoluter Datierungen eines Hochgebirgsgebiets der Pyrenäen“, sagt Ermengol Gassiot-Ballbè.
Die älteste Datierung im gesamten Datensatz fällt auf 8798 bis 8537 v. Chr. und stammt von einem möglichen Pfostenloch unter dem Hügel des Dolmen de la Font dels Coms in 1.843 Metern Höhe. Die Autoren bewerten diesen Kontext allerdings als nicht eindeutig. Besonders aussagekräftig ist daher der Felsunterstand Abric de les Obagues de Ratera in 2.312 Metern Höhe, wo Holzkohle aus einer Feuerstelle auf 8092 bis 7660 v. Chr. datiert wurde.
„Diese Ergebnisse liefern eine zeitliche Abfolge, die das gesamte Holozän umfasst“, schreiben Ermengol Gassiot-Ballbè sowie die Forscher der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) Guillem Salvador-Baiges und Laura Obea-Gómez.
Die Datierungen verteilen sich nicht gleichmäßig über die vergangenen gut 10.000 Jahre. Besonders viele Befunde fallen in die zweite Hälfte des Neolithikums, ungefähr zwischen 3300 und 2500 bis 2300 v. Chr. Ein zweiter deutlicher Schwerpunkt liegt in der römischen Zeit, vor allem in der Spätantike bis zum Ende des Westgotenreichs. Damit fällt der erste große Aktivitätsschub ungefähr in die Zeit Ötzis.
Auch einzelne Plätze wurden über erstaunlich lange Zeiträume immer wieder genutzt. Cova del Sardo, Obagues de Ratera und Portarró besitzen jeweils Serien von mindestens 18 Datierungen. Die Wiederkehr reicht dort von frühneolithischen oder noch älteren Phasen bis in spätere vorgeschichtliche und historische Zeiten. Gerade die Felsunterstände durchziehen die gesamte chronologische Abfolge.
Die lange Zeitspanne bedeutet allerdings nicht, dass Menschen jeden dieser Orte dauerhaft oder ohne Unterbrechung bewohnten. Für das frühe Holozän ist die Datenlage dünn, und zwischen etwa 6500 und 5900 bis 5800 v. Chr. zeigt die Serie eine Lücke. Ob solche Leerstellen reale Phasen geringerer Nutzung widerspiegeln oder vor allem durch die Stichprobe entstehen, lässt sich nach Angaben der Autoren noch nicht entscheiden.