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Wenn AliExpress heimlich die Bluetooth-Kopfhörer blockiert
von Carsten Knobloch
24. Aug. 2026 |
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Es gibt „Bugs“, über die stolpert man eher zufällig, die dann eine ziemlich unschöne Geschichte offenlegen. Ein Entwickler hat genau so einen Fall dokumentiert, und der ist es wert, hier festgehalten zu werden.
Ausgangspunkt war ein Problem mit seinen Multipoint-Bluetooth-Kopfhörern. Multipoint heißt: Die Hörer sind gleichzeitig mit PC und Smartphone verbunden. Läuft am PC nichts, spielt das Handy Musik ab. So weit, so bekannt. Nur sobald er im Firefox oder Chrome eine AliExpress-Seite öffnete, verstummte kurz darauf die Musik vom Smartphone. Tab schließen half sofort, Stummschalten von Tab, Browser oder Windows dagegen nicht. Und sichtbares Video oder Audio? Fehlanzeige.
Der spannende Teil ist die Ursache. Auf der Suche nach versteckter Wiedergabe fand der Entwickler keinerlei Audio- oder Video-Elemente, keine play()-Aufrufe, keine aktive Media Session. Erst als er die Web Audio API überwachte, wurde er fündig: Die Seite legte nach einigen Sekunden Leerlauf zwei versteckte AudioContext-Objekte an, beide im laufenden Zustand, beide mit dem System-Audioausgang verbunden.
Verantwortlich sind zwei stark verschleierte Skripte aus Alibabas Sicherheits- und Anti-Abuse-Baukasten, nämlich collina.js und fireyejs.js. Sie bauen einen Audio-Graphen aus Oszillator, Analyser, ScriptProcessor und einem auf null gesetzten GainNode. Man hört also nichts, aber der Browser verarbeitet den Graphen aktiv. Und genau das reicht offenbar aus, um unter Firefox beziehungsweise Windows den Bluetooth-Audiopfad wachzuhalten und das saubere Umschalten zurück aufs Handy zu verhindern.
Der eigentliche Zweck des Ganzen ist wohl Audio-Fingerprinting. Der Ton ist nur einer von vielen Messwerten. Die Skripte tasten zusätzlich Canvas, WebGL, Bildschirmmaße, CPU-Kerne, Arbeitsspeicher, Plugins, WebRTC-Verhalten sowie Maus-, Touch- und Bewegungsdaten ab, verschlüsseln das Ergebnis und schicken es an Alibaba-Server. Ein umfassender Fingerabdruck also, der vermutlich der Betrugserkennung dient, aber eben auch zum Tracking taugt.
Ein lesenswerter Fund, der mal wieder zeigt, was so alles im Hintergrund einer harmlos wirkenden Shopping-Seite passiert. Die komplette Analyse inklusive Codebeispielen findet ihr im verlinkten Originalbeitrag. Eine Diskussion gibt es auch bei Hacker News, ebenso hat sich ein Firefox-Entwickler das Ganze angesehen.
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