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Bäume passen sich schlechter an Dürren an als erhofft
Anpassung mit Grenzen: Selbst bei langfristig verringerter Bodenfeuchte verändern Waldbäume zentrale Eigenschaften ihres Wassertransports und ihrer Photosynthese kaum. Eine globale Auswertung von 40 Freilandexperimenten zeigt zugleich, dass ihre hydraulische Sicherheitsmarge schrumpft. Damit könnten Bäume unter zunehmender Dürre näher an die Grenze eines Ausfalls ihrer Wasserleitbahnen rücken.
Guangzhou (China). Bäume können Trockenheit kurzfristig begegnen, indem sie ihre Spaltöffnungen schließen und dadurch Wasser sparen. Doch ob sich ihre grundlegenden hydraulischen und photosynthetischen Eigenschaften bei dauerhaft trockeneren Böden anpassen, war in natürlichen Wäldern bislang nur unzureichend geklärt. Eine solche Akklimatisation könnte darüber mitentscheiden, wie gut Wälder häufigere und stärkere Dürren verkraften.
Forscher des South China Botanical Garden (SCBG) um Prof. Qing Ye haben nun Daten aus 40 weltweit verteilten Freilandexperimenten ausgewertet, in denen Niederschlag gezielt vom Waldboden ferngehalten wurde. Dazu leiteten Rinnen unter dem Kronendach einen Teil des Regens ab, während die Bäume in ihrem natürlichen Boden und ihrer Waldgemeinschaft verwurzelt blieben. Das Team verglich 24 physiologische Merkmale des Wassertransports, der Dürrewiderstandsfähigkeit und der Kohlenstoffaufnahme.
Die Analysen ergaben überraschend wenig physiologische Anpassung. Die Resistenz gegen Embolien, also luftgefüllte Blockaden in den Wasserleitbahnen, blieb unter den Dürrebehandlungen weitgehend unverändert. Auch die hydraulische Effizienz, Nährstoffgehalte der Blätter und die biochemische Kapazität der Photosynthese änderten sich kaum.
Dieses Muster zeigte sich in der Gesamtauswertung sowohl bei Nadel- als auch bei Laubbäumen und über unterschiedliche Niederschlagsbedingungen hinweg. Auch Dauer und Stärke der experimentellen Dürre änderten das Grundbild nicht wesentlich. Die Bäume hielten damit wichtige Funktionskapazitäten aufrecht, statt ihre Systeme dauerhaft auf größere Trockenheit umzubauen.
Die scheinbare Stabilität hatte jedoch eine Kehrseite. Unter Dürre sank das Wasserpotenzial in den Pflanzengeweben, während die Embolieresistenz kaum zunahm. Dadurch wurde die hydraulische Sicherheitsmarge kleiner, also der Abstand zwischen dem tatsächlich erreichten Wasserstress und dem Bereich, in dem die Wasserleitbahnen zunehmend ausfallen können.
Damit rückten die Bäume unter Trockenheit näher an ihre hydraulischen Grenzen. Die Studie findet zwar keinen direkten Nachweis, dass die untersuchten Bäume deshalb sterben. Die schmalere Sicherheitsmarge bedeutet aber ein höheres Risiko für hydraulisches Versagen, wenn die Wasserversorgung weiter sinkt oder zusätzliche Belastungen hinzukommen.
lt zeigte sich ein anderes Muster. Die Netto-Photosynthese nahm unter Dürre deutlich ab, vor allem weil die Spaltöffnungen geschlossen wurden und dadurch weniger Kohlendioxid ins Blatt gelangte. Die Vorräte an nichtstrukturellen Kohlenhydraten, darunter Stärke und lösliche Zucker, blieben dagegen im Mittel stabil.
Das spricht dagegen, dass eine Entleerung der Kohlenstoffreserven in diesen Experimenten die unmittelbare Hauptbegrenzung war. Zugleich kann das Festhalten an der photosynthetischen Kapazität einen Vorteil haben: Sobald nach Regen wieder Wasser verfügbar ist, können die Bäume günstige Phasen rasch für die Kohlenstoffaufnahme nutzen. Unter anhaltender Dürre bleibt jedoch die verringerte hydraulische Sicherheitsreserve bestehen.
Die globale Synthese stellt damit die verbreitete Annahme infrage, Waldbäume könnten sich durch deutliche physiologische Akklimatisation ausreichend gegen langfristig trockenere Bedingungen wappnen. Sie zeigt kein einheitliches Schicksal jeder Baumart, wohl aber ein bemerkenswert konsistentes Muster über viele Waldexperimente hinweg. Für Prognosen künftiger Waldreaktionen könnte deshalb entscheidend sein, begrenzte Anpassungen zentraler hydraulischer Merkmale stärker zu berücksichtigen.