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Wie die Wirtschaftskrise die Ausbildungsmisere verschärft
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt insgesamt schwierig. Immer mehr Firmen bauen Stellen ab - wegen der Wirtschaftskrise und weil es keine Bewerber mehr gibt. Einige Betriebe gehen aber ganz neue Wege.
Auf dem Mainzer Wochenmarkt ist viel los. Vor dem Stand der Metzgerei Walz steht eine lange Schlange. "Vielen Dank für ihren Einkauf und einen schönen Tag", sagt eine Verkäuferin mit einem deutlichen Akzent. Thi Ngoc Ha Hoang kommt aus Vietnam, macht seit Mai eine Ausbildung in dem Familienbetrieb. Geschäftsführer Peter Walz ist auch da, hilft der neuen Kollegin bei Kleinigkeiten. "Wir sind mehr als zufrieden mit unseren Azubis aus Fernost. Sie ziehen mit, wollen immer neu dazulernen und sind eine echte Verstärkung."
Die Metzgerei im Mainzer Stadtteil Mombach gibt es seit 1824. Hierzulande sei der Markt an jungen Leuten mit Interesse an einer Handwerksausbildung leergefegt, sagt Walz. Einen solchen Mangel habe der Betrieb noch nicht erlebt: "Qualität und Quantität haben nachgelassen. Früher hatten wir konstant sechs Azubis pro Jahr, zuletzt bestenfalls einen. Dauerhaft ist das so nicht tragbar."
Deshalb hat die Geschäftsführung vier Azubis aus Vietnam angeworben. Hoang Thi Ngoc Ha, Nguyen Huong Giang, Dau Ba Anh Vu und Le Trung Duc sind nach Rheinhessen gekommen. Eine Agentur hat dabei geholfen. Zudem müssten die jungen Leute auch zum Betrieb passen und entsprechende Werte leben, sagt Walz: "Disziplin, Fleiß, Freude an der Arbeit sind bei uns ebenso gesetzt wie Gleichberechtigung. Wir haben in unserem Betrieb 80 Prozent Kolleginnen, da kann man nur auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Das gilt für alle."
Auch der Mangel an bezahlbaren Wohnungen macht Geschäftsführer Walz zu schaffen. Deshalb hat er selbst Wohnraum geschaffen, in dem die vier Vietnamesen jetzt eine eigene Bleibe finden. "Die hohen Mieten sind für Azubis kaum bezahlbar. Das wird eine immer höhere Hürde", so Walz. Weitere Wohnungen seien bereits in Planung: "Wir werden weiter im Ausland suchen. Wenn wir das nicht machen, hat das Handwerk keine Zukunft."
Finanzielle Sorgen, angespannter Wohnungsmarkt und Druck im Berufsleben - das belastet viele Azubis.
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Im Handwerk ist die Zwischenbilanz für 2026 positiv. Im ersten Halbjahr haben mehr als 67.000 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag unterschrieben - ein Plus von knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Der Verband ist optimistisch, dass sich diese Entwicklung auch in den kommenden Wochen fortsetzt: "Damit steuern wir auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen zu, entgegen dem Trend in der Gesamtwirtschaft", erklärt Jörg Dittrich, ZDH-Präsident.
Als Gründe nennt der ZDH, dass junge Menschen Berufe suchen, die langfristig Sicherheit bieten - gerade mit Blick auf die rasanten Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz (KI). Bis auf Weiteres könne die handwerkliche Tätigkeit nicht ersetzt werden. Das gelte auch für den zwischenmenschlichen Kontakt zur Kundschaft.
Aber: Trotz der vermehrten Nachfragen suchen viele Betriebe auch jetzt noch händeringend nach Azubis. Viele Stellen - auch aus den vergangenen Ausbildungsjahren - sind weiter unbesetzt. Besonders prekär ist die Lage etwa im Lebensmittel- und Fleischerhandwerk sowie in Bauberufen wie Maurer und Straßenbauer.
Etwa jeder zehnte junge Mensch ist in Deutschland ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz.
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