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Massiver Umbau gekippt: Meta wollte „KI-nativ“ werden – und scheiterte
Metas Entlassungsrunde im Mai sollte laut Reuters-Bericht eigentlich Teil einer deutlich massiveren Umstrukturierung werden, die Angestellte durch KI ersetzt.
Meta-Chef Mark Zuckerberg musste seine umwälzenden KI-Pläne wieder kassieren.
Social-Media-Riese Meta soll Pläne für massive Entlassungen zugunsten von mehr KI-Einsatz ausgearbeitet, dann aber doch verworfen haben. Das geht aus einem Bericht von Reuters hervor, der sich auf interne Dokumente und anonyme Insider beruft. Demnach sollten im gesamten Unternehmen zahlreiche Teams bis zu 60 Prozent ausgedünnt werden – mit dem Ziel, „KI-nativ“ zu sein. Was genau Meta-Chef Mark Zuckerberg zur Abkehr vom Plan bewogen habe, blieb laut Reuters unklar. Massiv gestiegene Unzufriedenheit der Belegschaft sowie unter den Erwartungen gebliebene Leistungen der KI-Tools und -Agenten könnten aber erheblichen Einfluss gehabt haben.
Laut dem Bericht hatte Zuckerberg die Pläne nur wenige Stunden vor der geplanten Verkündung am 20. Mai gekippt. Stattdessen gab das Unternehmen eine Entlassung von 8000 der rund 75.000 Angestellten bekannt. Ebenso wurden weitere 7000 Mitarbeiter auf neue Stellen versetzt, wo sie sich auf die Entwicklung neuer KI-Werkzeuge und -Apps konzentrieren sollen.
Die Pläne für die massive Umstrukturierung liefen laut Reuters unter dem Namen „Project OT“, Zuckerberg habe die Vorbereitung für das Projekt Anfang des Jahres angeordnet. Meta-Führungskräfte hätten sich dafür von Start-ups inspirieren lassen, die ihre Betriebsstruktur um KI herum gebaut haben. Die Idee war demnach, dass KI einen Großteil der täglichen Arbeit übernimmt, die derzeit von Tausenden Mitarbeitern erledigt wird. Virtuelle Ressourcen sollten von deutlich kleineren, „talentreichen“ Teams aus menschlichen Mitarbeitern gesteuert werden. Der Umbau hätte in zwei Wellen im Mai und November erfolgen sollen.
In der Belegschaft habe sich seit Anfang des Jahres zunehmend der Verdacht verbreitet, dass KI auf breiter Basis Angestellte ersetzen solle, schreibt Reuters weiter. Unter anderem wurde eine neue Tracking-Software eingeführt, die Mausbewegungen, Klicks und Tastenanschläge von Angestellten erfasst – wohl um mit den Daten KI-Modelle zu trainieren. Die Arbeitsmoral sei infolge deutlich gesunken, laut halbjährlicher interner Umfrage kippte die Mitarbeiterzufriedenheit bei Meta von 74 Prozent auf 55 Prozent. Auch seien die Bemühungen um eine gewerkschaftliche Organisation gestiegen.
Zudem habe sich auch herausgestellt, dass die KI nur bedingt geeignet war, die zunehmend renitenten Mitarbeiter zu ersetzen. Laut internen Postings, die Reuters zitiert, sei etwa durch den KI-Einsatz die Menge des generierten Codes erheblich angestiegen, die Produktivität aber nicht. Code-Änderungen an den internen Softwareplattformen und der Infrastruktur seien etwa im Vergleich zum Vorjahr um 220 Prozent gestiegen. Änderungen, die dazu führten, dass neue oder verbesserte Funktionen die Meta-Nutzer erreichten, stiegen jedoch nur um 36 Prozent.
Ebenfalls hätten Infrastrukturteams vor mangelnder Zuverlässigkeit durch die KI-Programmierung gewarnt. Ein Posting vom April habe ferner auf unkontrollierte KI-Agenten hingewiesen, die „groß angelegte, störende Aktionen“ durchführten, „die Menschen wahrscheinlich nicht ausführen würden“. Schwerwiegende technische und sicherheitsrelevante Vorfälle wie Dienstunterbrechungen und Datenlecks seien im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Die Zeit, die Mitarbeiter für die Bekämpfung der Probleme aufwenden mussten, sogar um 70 Prozent.
Womöglich waren es diese gehäuften Probleme, die Zuckerberg zu einer Kursumkehr bewegten. Die zweite Umstrukturierungswelle im November wurde gestrichen. In einem internen Memo an die Belegschaft erklärte er Ende Mai laut Reuters, er rechne „in diesem Jahr nicht mit weiteren unternehmensweiten Entlassungen“. Zudem wolle er den Angestellten mehr „Stabilität“ bieten. Darauf folgten Maßnahmen der Führungskräfte, um die Arbeitsmoral wieder anzukurbeln, etwa