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Kommentar zur Fußball-WM: Keine Fernseh-Millionen für Krümelfußball
Wenn die Öffentlichkeit für die Infrastruktur des Fußballs aufkommt, sollte sie keine Monopolpreise für Pixelbilder zahlen, meint Hartmut Gieselmann.
(Bild: Motortion Films / Shutterstock.com / Bearbeitung heise medien)
ARD und ZDF zeigen die nächtlichen Spiele der Fußball-WM in ihren Mediatheken. Damit erfüllen sie ihren öffentlichen Auftrag: Spiele von großem öffentlichem Interesse sollen für alle ohne Bezahlschranke frei zugänglich sein. Gut so.
Redakteur Hartmut Gieselmann, Jahrgang 1971, ist seit 2001 bei c't. Er leitet das Ressort Anwendungen, Datenschutz & Internet und bearbeitet unter anderem aktuelle Themen rund um die Bereiche KI, Netzpolitik und Datenschutz.
Nur leider sieht das Bild in den Mediatheken aus, als hätte jemand sein Frühstücksmüsli auf den Bildschirm gespien. Spieler wirken wie Minecraft-Klötzchen, Bälle fransen aus, und das Publikum vermatscht im Pixelbrei.
Wir haben das mit eigenen Messungen unterlegt: Die Livestreams von ARD und ZDF erreichen knapp 3 Mbit/s. Da sind die Bilder zwar nicht besonders scharf, fransen aber immerhin nicht aus. In den Mediatheken sind’s aber nur rund 2 Mbit/s: mal ein wenig mehr, mal etwas weniger. Da hilft dann auch kein Full HD, wenn der alte Spruch von Sepp Herberger nicht mehr gilt: Der Ball muss rund bleiben, auch im digitalen Zeitalter.
Und dann kommt MagentaTV: Die Telekom streamt in Full HD mit mehr als 3 Mbit/s. Auch das ist für Fußball nicht üppig, aber sichtbar sauberer. Auf der Telekom-Hardware geht es sogar in 4K mit knapp 10 Mbit/s. Also ungefähr das Drei- bis Vierfache dessen, was ARD und ZDF in ihren Apps liefern. Die Technik wäre also da.
ARD und ZDF haben laut Medienberichten rund 152 Millionen Euro an die Telekom als Hauptlizenznehmer der FIFA gezahlt, um zumindest einen Teil der WM-Spiele zeigen zu dürfen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: 150 Millionen Euro für eine Zweitverwertung in Krümelqualität, die allenfalls für Smartphones, aber nicht für heute übliche Fernsehgrößen genügt. Was für ein Eigentor!
Dabei verlangt der Medienstaatsvertrag (§13 MStV) nicht einmal, dass ARD und ZDF unbedingt alles zeigen müssen. Er verlangt, dass Spiele von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung frei empfangbar sind: also etwa Spiele der deutschen Nationalmannschaft, Eröffnungsspiel, Halbfinale und Finale. Das könnte auch ein Privatanbieter leisten.
Sinnvoller wäre deshalb gewesen: ARD und ZDF hätten mit der Telekom ausgehandelt, dass besonders wichtige Spiele ohne Bezahlschranke direkt unverschlüsselt über MagentaTV laufen. Frei verfügbar, aber in besserer Qualität. Stattdessen bekommen wir teure Doppelstrukturen und schlechtere Streams.