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Pflegekassen im ersten Halbjahr mit 770 Millionen Euro Minus
Die Pflegekassen haben im ersten Halbjahr ein Minus von 770 Millionen Euro eingefahren. Der Spitzenverband warnt: Schon im Oktober könnten die Einnahmen nicht mehr reichen, um Pflegeleistungen voll zu finanzieren.
Die Finanznöte der Pflegeversicherung spitzen sich angesichts stark steigender Ausgaben weiter zu. In der ersten Hälfte dieses Jahres lief ein Defizit von 770 Millionen Euro auf, wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen mitteilte, der auch die Pflegekassen vertritt. Verbandschef Oliver Blatt sagte, die Pflege sei akut in Not: "Es herrscht Alarmstufe Rot."
Die Politik müsse nun schnell handeln, denn in wenigen Monaten sei "das Geld alle", so Blatt. Danach ist voraussichtlich schon im Oktober der Punkt erreicht, ab dem die Einnahmen nicht mehr reichen dürften, um die Pflegeleistungen voll zu finanzieren. Bis zum Jahresende brauche es dann nochmals 500 Millionen Euro.
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Insgesamt sei für dieses Jahr mit 1,2 Milliarden Euro Defizit zu rechnen - und dabei ist das Darlehen des Bundes von 3,2 Milliarden Euro schon mit eingerechnet. Ohne das Darlehen läge das "ehrliche Ergebnis" bei minus 4,4 Milliarden Euro. Blatt warnte, solange die Ausgaben schneller stiegen als die Einnahmen, würden die Finanzprobleme größer und nicht kleiner.
Von Januar bis Ende Juni gingen die Ausgaben der Pflegeversicherung im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um elf Prozent auf 39,5 Milliarden Euro hoch. Auf der anderen Seite wuchsen die Beitragseinnahmen nur um 3,9 Prozent und die gesamten Einnahmen um 5,4 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro. Darin ist die erste Hälfte des Bundesdarlehens mit einer Summe von 1,6 Milliarden Euro enthalten.
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"Die Finanzen der Pflegeversicherung müssen jetzt sehr kurzfristig stabilisiert werden, und mittel- bis langfristig brauchen wir eine strukturelle Reform", forderte Blatt. Für 2027 bestehe ein zusätzlicher Bedarf von zehn Milliarden Euro, der bisher nicht gegenfinanziert sei. Neben einem erwarteten Defizit von 7,5 Milliarden Euro müssten die Pflegekassen unbedingt Mittel auffüllen, damit die Zahlungsfähigkeit zu jedem Zeitpunkt gesichert sei.
Ein Haupt-Kostentreiber sei die steigende Zahl der Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung bekommen, erläuterte der Verband. Die deutliche Zunahme auf inzwischen fast sechs Millionen liege dabei vor allem an einer Reform von 2017, die die Kriterien für eine Pflegebedürftigkeit weiter fasste. Zu Buche schlagen auch steigende Milliarden-Zuschläge der Pflegekassen, die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner bei fälligen Eigenanteilen für die reine Pflege entlasten sollen.
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