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Deutschland will neue Rechenzentren
Eine Bitkom-Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Rechenzentren am Wohnort, kritisiert aber den Energieverbrauch.
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Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland würde einem neuen Rechenzentrum am eigenen Wohnort positiv gegenüberstehen. Das ergibt eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter 1006 Personen ab 16 Jahren. Zugleich kritisieren 88 Prozent den Energieverbrauch solcher Anlagen. Betreiber und Kommunen dürften deshalb vor allem zwei Fragen erklären müssen: Welchen Nutzen hat ein Bauvorhaben? Und wie viel Energie, Wasser und Fläche beansprucht es?
Der Konflikt zwischen Ausbau und Energieversorgung findet sich auch in anderen europäischen Ländern. In Irland verbrauchten Rechenzentren 2025 laut amtlicher Statistik bereits 23 Prozent des gemessenen Stroms; im Großraum Dublin galt bis Dezember 2025 ein faktisches Moratorium für neue Netzanschlüsse. Großbritannien erprobt in Pilotprojekten, ob KI-Rechenzentren bei Engpässen ihre Last flexibel senken können, und prüft regulatorisch, ob solche Flexibilitätspflichten als Netzanschluss-Bedingung vorgeschrieben werden sollen.
66 Prozent der Befragten stehen einem Rechenzentrum in ihrer Gemeinde grundsätzlich positiv gegenüber, 40 Prozent sogar sehr positiv. Ein Viertel würde einen Neubau eher oder sehr negativ bewerten. Die öffentlich geführten Debatten über einzelne Projekte lassen sich damit nicht ohne Weiteres als generelle Ablehnung von Rechenzentren verstehen.
Der Strombedarf bleibt allerdings der größte Vorbehalt: 88 Prozent finden, Rechenzentren verbrauchten zu viel Energie. Besonders große Cloud- und KI-Standorte können den Ausbau der Stromnetze und der Erzeugungskapazitäten vor Ort belasten. Auch in Deutschland steht der Ausbau von Rechenzentren deshalb im Spannungsfeld von Digitalpolitik, Netzanschlüssen und Klimaschutz.
82 Prozent der Befragten zählen Rechenzentren zur Basisinfrastruktur, ähnlich wie Strom-, Wasser- und Verkehrsnetze. 73 Prozent meinen, Deutschland brauche mehr dieser Anlagen. Das passt zur politischen Debatte über den Ausbau von Rechen- und insbesondere KI-Kapazitäten – die Bundesregierung will eine Vervierfachung bis 2030.
Für 72 Prozent ist es sehr oder eher wichtig, dass ihre Daten in Rechenzentren in Deutschland verarbeitet werden. Das kann für regulierte Branchen, Behörden und Unternehmen mit hohen Anforderungen an Datenschutz, Verfügbarkeit und Kontrolle über ihre IT-Lieferkette relevant sein. Ein Standort in Deutschland garantiert allerdings nicht automatisch, dass Daten europäischem Recht unterliegen oder ein europäischer Anbieter sie verarbeitet: Cloud-Providern wird häufiger Sovereignty Washing vorgeworfen.
Der Bitkom verweist entsprechend auf die Bedeutung digitaler Souveränität. Er fordert unter anderem niedrigere Stromkosten, schnellere Netzanschlüsse sowie kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Dass das Kabinett am selben Tag eine Gewerbesteuerreform für Rechenzentren verabschiedet hat, begrüßt der Verband – kommunale Beteiligung am Steueraufkommen schaffe finanzielle Kompensation vor Ort.
Bei konkreten Vorhaben vor Ort sehen die Befragten offenbar Informationsbedarf. 92 Prozent wünschen sich bessere Erklärungen dazu, wofür neue Rechenzentren gebraucht werden. Zwar geben 83 Prozent an, zumindest eine grobe Vorstellung von Zweck und Funktionsweise eines Rechenzentrums zu haben. Bei einzelnen Projekten dürften jedoch Fragen nach Strombezug, Notstromversorgung, Kühlung, Wasserverbrauch, Flächenversiegelung und Abwärmenutzung wichtiger sein als die abstrakte Einordnung der Infrastruktur.