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Epic-Games-CEO Tim Sweeney: Der Branchen-Crash 2.0 lässt sich nur durch eine Sache abwenden
Der Epic-Chef ordnet die globale Gaming-Krise ein. Warum KI-Konzerninvestitionen und Hardware-Engpässe die Industrie in eine Dauer-Krise stürzen.
Wer in letzter Zeit nicht hinterm Mond gelebt hat, dürfte es längst gemerkt haben: Die Spielebranche steckt tief in der Krise. Wohin man auch blickt, rollen riesige Entlassungswellen: Sony, Microsoft, EA, Ubisoft, Take-Two, Epic Games… die Liste lässt sich endlos fortführen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Meist schieben die Konzerne diese „Umstrukturierungen“ auf den schrumpfenden Markt nach dem Pandemie-Boom, explodierende Entwicklungskosten, längere Produktionszyklen, höhere Gehälter sowie verändertes Kaufverhalten. Hinzu kommen weltweite Hardware-Engpässe, die durch den anhaltenden KI-Rausch weiter angeheizt werden.
In einem Interview mit dem Edge Magazine (via GI.biz) ordnet Epic-Games-Chef Tim Sweeney die aktuelle Lage der Branche ein. Seiner Einschätzung nach erleben wir derzeit den schwersten Crash seit dem legendären Kollaps von 1983, dem sogenannten „Atari-Schock“. Sweeney warnt vor allem vor den akuten Bauteil-Engpässen. Wenn die Unternehmen hier nicht schleunigst Gegenmaßnahmen ergreifen, droht der Branche seiner Meinung nach ein gewaltiger Umsturz.
„Das ist eine unerwartete, extrem schwere Erschütterung“, erklärt Sweeney. „Wir erleben gerade eine beispiellose Investitionswelle in den Aufbau von KI-Systemen und Rechenzentren. Dahinter steckt der Glaube, dass diese Technologien die gesamte Wirtschaft grundlegend verändern werden. Bei diesen immensen Summen können die KI-Giganten die komplette Entertainment-Branche problemlos bei der Beschaffung von Bauteilen überbieten.“
„Wir ziehen dabei den Kürzeren. Die Preise für Arbeitsspeicher und Speicherplatz haben sich bereits vervierfacht, und ein Ende ist nicht in Sicht. Wir müssen uns darauf einstellen, dass uns in den nächsten drei Jahren eine Dauer-Lieferkrise bei allen relevanten Gaming-Hardware-Komponenten bevorsteht. Die einzige Lösung liegt meiner Meinung nach im Bau gewaltiger neuer Fabriken, um die weltweite Nachfrage zu decken – und das wird auch passieren.“ Eine spannende These. Befeuerte Sweeney damit etwa Gerüchte, dass Epic selbst einen Teil seiner riesigen Jahresgewinne in die Fertigungsindustrie stecken möchte, um die Gaming-Branche zu stützen? Das wird die Zukunft zeigen müssen.
Sweeney machte erst kürzlich von sich reden, als er die konkurrierende Gaming-Plattform Roblox kritisierte. Das Spiel sei eine Kraft, die „das Gaming-Business verschlingen wird“. Diese Aussagen fielen nur wenige Wochen bevor Fortnite eine riesige neue Kollaboration mit verschiedenen Gaming-Ikonen ankündigte – von Crash Bandicoot über Lara Croft und Street Fighter bis hin zu Kingdom Hearts.
Epic selbst entließ im März über 1.000 Entwickler. Zuvor hatte das Unternehmen massiv aufgerüstet, um das explosive Wachstum von Fortnite zu stützen. Als die Spielerzahlen jedoch einbrachen, folgten Umstrukturierungen und der Abbau zahlreicher Stellen. Schon damals sprach Sweeney Probleme an, die nicht nur Epic, sondern die gesamte Branche belasten – wie etwa die rückläufigen Verkaufszahlen bei den Konsolen.