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KI-Boom als Risiko: Norwegens Staatsfonds spielt Crash-Szenarien durch
Der norwegische Staatsfonds spielt Krisenszenarien für sein Aktienportfolio durch. Das zeigt, welche Risiken auch ETF-Anleger im Blick behalten sollten.
Für ETF-Anleger ist der norwegische Staatsfonds ein guter Orientierungspunkt. Mit Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft hat er ein Vermögen von rund 2 Billionen Euro aufgebaut und ist heute der größte Aktionär der Welt. Wie viele Privatanleger, die passiv in ETFs investieren, setzt der Fonds dabei auf eine breit diversifizierte, langfristige Strategie nach dem Buy-and-Hold-Prinzip. Entsprechend groß ist das Interesse, wenn der Fonds zweimal im Jahr Einblick in sein Portfolio gibt. Wenn er wie jetzt aktuelle Risiken am Aktienmarkt durchspielt, sollten Privatanleger daher auch hellhörig werden.
Das norwegische Finanzministerium hat den Staatsfonds Anfang des Jahres gebeten, durchzurechnen, wie sich bestimmte Risikoszenarien auf die Anlagen auswirken könnten. In seiner Antwort skizziert Chefverwalter Nicolai Tangen verschiedene Krisenszenarien.
So wurde etwa geprüft, wie sich die aktuellen geopolitischen Krisen auswirken, sollten sie sich weiter verstärken, wenn sich also etwa Zollstreitigkeiten weiter hochschaukeln, Länder Investitionen aus dem Ausland erschweren und mehr Schulden machen. Angesichts solcher geopolitischen Umwälzungen könnte der Wert des Fonds um 30 bis 40 Prozent sinken, schätzt die norwegische Zentralbank.
Sorgen bereitet Tangen auch das Übergewicht von US-Unternehmen im Aktienindex. Sie sind aktuell in globalen Indizes besonders stark vertreten, weil sie über einen längeren Zeitraum stärker gewachsen sind als Unternehmen in anderen Regionen. Norwegens Staatsfonds gewichtet US-Aktien zwar bewusst niedriger, als es der FTSE Global All Cap vorgibt, trotzdem liegt auch hier der US-Anteil bei 50 Prozent. Durch das rasche Wachstum von US-Techunternehmen angesichts des aktuellen KI-Booms entsteht ein zusätzliches Klumpenrisiko.
„Viele der größten Unternehmen im Benchmarkindex hängen von denselben Faktoren ab, darunter der Rendite von Investitionen in KI-Infrastruktur, der Entwicklung der US-Technologieregulierung und dem Zugang zu fortschrittlichen Halbleitern“, heißt es in dem Antwortschreiben von Tangen an das norwegische Finanzministerium. Ein Schock, der diese Faktoren betrifft, könne daher einen großen Teil des Index gleichzeitig treffen.
Erfüllen sich die Erwartungen an hohe Gewinne von KI-Unternehmen und Produktivitätssteigerungen durch den KI-Einsatz nicht, könnte das zu einem Einbruch am Aktienmarkt führen. Für den norwegischen Staatsfonds könnte das Wertverluste zwischen 18 und 35 Prozent mit sich bringen.
Trotzdem will der norwegische Staatsfonds aktuell keine Obergrenzen für einzelne Märkte oder Sektoren einführen. Eine solche Beschränkung würde „den Spielraum für wertschaffende Strategien verringern“, heißt es. Eine Sektor-Beschränkung etwa für KI-Unternehmen würde außerdem das eigentliche Problem nicht lösen, weil auch Unternehmen außerhalb des Techsektors auf der Grundlage erwarteter KI-Vorteile bewertet werden. Damit zieht sich das KI-Risiko durch verschiedene Branchen im Index.
Langfristig könnte es aber sinnvoll sein, mehr Geld in nicht börsennotierte Vermögenswerte zu stecken, um das Risiko durch die Konzentration im Aktienindex für das Gesamtrisikoprofil des Fonds zu minimieren. Aktuell liegt der strategische Aktienanteil des norwegischen Staatsfonds bei 70 Prozent.
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