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Merkur-Orbiter BepiColombo hat mehrmonatige Ankunftssequenz begonnen
Nach fast acht Jahren Reise hat die europäisch-japanische Merkurmission BepiColombo einen entscheidenden Umbau im All vollzogen. Das Mercury Transfer Module ist erfolgreich abgetrennt, die beiden Forschungsorbiter fliegen nun ohne ihren bisherigen Reiseantrieb weiter. Bis zum regulären Forschungsbetrieb folgen mehrere Manöver, die erst im April 2027 abgeschlossen sein sollen.
Darmstadt (Deutschland). Seit dem Start im Oktober 2018 flog BepiColombo als zusammengekoppeltes Raumfahrzeug durch das innere Sonnensystem und hat nun als von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) geführte Mission gemeinsam mit der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) einen ihrer kritischsten Schritte geschafft. Das Mercury Transfer Module (MTM), das die Sonde auf der langen Reise mit Strom und Ionenantrieb versorgt hatte, wurde am 3. September 2026 planmäßig abgetrennt.
Die Bestätigung kam über zwei ESA-Tiefraumantennen in Spanien und Argentinien. Nach Angaben der ESA zeigten die Telemetriedaten anschließend einen normalen Systemzustand, während die Solarpaneele des Mercury Planetary Orbiter (MPO) dessen Batterien luden. Mehr als 200 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ließ sich der Vorgang nicht in Echtzeit korrigieren.
„Das ist eine riesengroße Erleichterung“, sagt Elsa Montagnon, Leiterin des Wissenschaftsbetriebs bei der ESA.
Das MTM hatte BepiColombo fast die gesamte interplanetare Reise hindurch angetrieben. Seine vier solarelektrischen Triebwerke ionisierten Xenon und erzeugten daraus einen schwachen, aber sehr effizienten Schub. Am 15. Juni 2026 endete der letzte Schubbogen dieses Systems, seitdem näherte sich die Sonde zunächst auf einer freien Flugbahn ihrem Ziel.
Der lange Weg war nötig, weil ein Orbiter im starken Schwerefeld der Sonne sehr viel Geschwindigkeit abbauen muss, um nicht am Merkur vorbeizuschießen. BepiColombo nutzte dafür insgesamt neun Swing-by-Manöver an Erde, Venus und Merkur. Nach der Abtrennung des MTM übernimmt nun der chemische Antrieb des MPO die weiteren Bahnkorrekturen und später auch das Einschwenken in die Merkurumlaufbahn.
„Alles ist bis auf die Sekunde genau geplant“, sagt Christoph Steiger, stellvertretender Leiter des Flugkontrollteams am Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt.
Die erfolgreiche Trennung ist deshalb nur der Auftakt einer mehrmonatigen Ankunftssequenz. Am 21. November 2026 sollen MPO und der Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio) der JAXA noch miteinander verbunden in eine polare Umlaufbahn um den Merkur eingeschwenkt werden. Erst am 9. und 10. Dezember wird Mio vom europäischen Orbiter getrennt und auf seine eigene elliptische Bahn gebracht.
Am 16. Dezember soll der MPO anschließend das Mio Sunshield and Interface Structure (MOSIF), den bisherigen Sonnenschutz des japanischen Orbiters, abwerfen. Danach senkt der MPO seine Bahn schrittweise, bis er nach dem aktuellen Zeitplan am 10. März 2027 seine endgültige Umlaufbahn erreicht. Der reguläre Wissenschaftsbetrieb beider Orbiter ist für den 6. April 2027 vorgesehen.
MPO und Mio sollen den innersten Planeten aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen. Der europäische Orbiter richtet seine Instrumente vor allem auf Oberfläche, Mineralogie, chemische Zusammensetzung, Topografie und inneren Aufbau. Mio untersucht dagegen Magnetfeld, Plasma, dünne Atmosphäre und Staub in der unmittelbaren Umgebung des Merkurs.