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heise-Angebot: Vom Fensterbild zur künstlichen Intelligenz – c't Fotografie 5/2026
Eine Zinnplatte, etwas Asphalt, dazu Sonnenlicht – mehr brauchte es nicht für das älteste Foto der Welt. Heute entstehen täglich über fünf Milliarden Bilder.
Irgendwann zwischen 1826 und 1827 stellte der französische Erfinder Joseph Nicéphore Niépce eine selbstgebaute Holzkamera auf sein Fensterbrett im burgundischen Saint-Loup-de-Varennes. Stundenlang härtete das Sonnenlicht den lichtempfindlichen Asphalt auf einer polierten Zinnplatte. Das Resultat: verschwommen, kaum zu erkennen. Und trotzdem eine kleine Revolution. Zum ersten Mal hatte Licht ganz allein ein dauerhaftes Abbild der Wirklichkeit geschaffen, ohne dass ein Pinsel oder Stift daran beteiligt war.
Nach Niépces Tod 1833 führte sein Partner Louis Daguerre die Idee weiter und stellte 1839 die Daguerreotypie vor. Frankreich kaufte das Patent und gab das Verfahren für die Öffentlichkeit frei. Fast zur selben Zeit tüftelte der Engländer William Henry Fox Talbot an der Kalotypie, deren Negativ-Positiv-Prinzip die analoge Fotografie bis ins späte 20. Jahrhundert prägen sollte.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Nassplattenverfahren, Trockenplatten, dann George Eastmans Rollfilm-Revolution mit der Kodak No. 1 ab 1888. Oskar Barnack brachte 1925 mit der Leica I das Kleinbildformat, in den 1930er-Jahren kam die Farbe über Kodachrome und Agfacolor, 1948 folgte Polaroids Sofortbild. Die professionelle Spiegelreflex-Ära startete 1959 mit der Nikon F, und 1975 baute Steven Sasson bei Kodak den ersten Prototyp einer Digitalkamera.
Und dann kam ein neuer Schlag für den Kameramarkt, unter dem besonders die bis dahin etablierten Kompaktkameras litten: 2007 läutete das iPhone die fotografischer Smartphone-Ära ein. Plattformen wie Instagram machten aus der Fotografie ein weltweites Kommunikationsmittel. Doch damit war das Ende noch nicht erreicht, denn seit 2022 zaubern generative KI-Systeme fotorealistische Szenen aus bloßen Texteingaben – ohne Licht, ohne Sensor, ohne Objektiv. Doch ist das wirklich noch Fotografie, nur weil es so aussieht? Der Fotokünstler Boris Eldagsen gewann 2023 mit einem KI-Bild eine Kategorie der renommierten Sony-Awards und lehnte den Preis öffentlich ab, um genau diese Diskussion loszutreten.
Zum 200sten Geburtstag hat die französische Kulturministerin für September 2026 bis September 2027 ein Festjahr ausgerufen: die Bicentenaire de la Photographie. Die aktuelle Ausgabe der c't Fotografie greift das auf und zeichnet zweihundert Jahre Bildgeschichte im Detail nach – von der Heliografie bis zur Frage, ob ein synthetisches Bild überhaupt noch Fotografie sein darf.
Was der Bildprozessor wirklich leistet. Objektive und Sensoren bekommen die Aufmerksamkeit, der Bildprozessor bleibt im Hintergrund. Dabei steuert dieser briefmarkengroße Chip so gut wie alles, was in einer modernen Spiegellosen abläuft: Autofokus, Belichtung, Rauschreduzierung, Motiverkennung, Bildstabilisierung und das Schreiben auf die Speicherkarte. Bei Canon heißt er „Digic“, bei Nikon „Expeed“, bei Sony „Bionz“ – und jeder Hersteller behandelt die genauen Spezifikationen wie ein Betriebsgeheimnis. Sandra Petrowitz erklärt in ihrem Artikel, warum Kamerahersteller bei der Chipfertigung mit den Smartphone-Giganten um knappe Produktionskapazitäten ringen, warum KI-basierte Funktionen den Rechenbedarf nach oben treiben und wieso Wärmemanagement inzwischen zur kritischen Ingenieursdisziplin geworden ist. Wer wissen will, warum eine Kamera wirklich schnell oder langsam ist, muss nicht ins Objektiv schauen, sondern auf die Hauptplatine.
Raus aus Adobes Cloud. Das monatliche Abo nervt, die Cloud-Pflicht stört, und was beim KI-Training eigentlich mit den eigenen Bildern passiert, weiß man nicht so genau – kein Wunder, dass immer mehr ambitionierte Fotografen nach Alternativen zu Photoshop suchen. Thomas Gade hat acht Programme für Windows und macOS getestet: von der seit Herbst 2025 kostenlosen Affinity-Suite über ACDSee Photo Studio Ultimate und ON1 Photo RAW bis zu GIMP 3, Corel PaintShop Pro, L