// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Marsrover Curiosity hat eine rätselhafte Wabenlandschaft entdeckt
Rätselhafte Wabenlandschaft: Der Marsrover Curiosity hat im Valle Grande ein ungewöhnlich ausgedehntes Feld kleiner polygonaler Bruchmuster entdeckt. Die nur vier bis acht Zentimeter großen Strukturen ziehen sich in alle Richtungen durch das Sichtfeld und sogar an einem Hügel hinauf. Wie sie entstanden, ist noch offen, und Form- und Chemiedaten sollen nun zwischen mehreren geologischen Möglichkeiten unterscheiden.
Pasadena (U.S.A.). Im Gale-Krater steigt Curiosity seit Jahren die Schichten des Mount Sharp hinauf. Diese Gesteinsabfolge bewahrt Spuren einer Vergangenheit, in der Seen und Flüsse die Region prägten und lebensfreundliche Bedingungen möglich waren. Nun ist der Rover in einem Tal mit dem Spitznamen „Valle Grande“ auf ein Feld kleiner polygonaler Brüche gestoßen, das selbst das erfahrene Missionsteam überrascht.
Das Team des Jet Propulsion Laboratory (JPL) um Projektwissenschaftler Ashwin Vasavada hat die Strukturen mit Bildern und chemischen Messungen untersucht. Kleinere Vorkommen solcher Polygone hatte Curiosity schon zuvor gesehen, doch in Valle Grande bedecken sie erstmals in dieser Dichte eine ausgedehnte Landschaft.
Besonders deutlich zeigt sich das Muster in einem 360-Grad-Panorama vom 19. und 20. Juni 2026, den Marstagen 4.930 und 4.931 der Mission. Für die Rundumsicht wurden 340 einzelne Mastcam-Aufnahmen zusammengesetzt. Die polygonalen Brüche messen laut JPL meist nur etwa vier bis acht Zentimeter und ziehen sich in alle Richtungen durch das Gelände.
Selbst die Flanken des nahen Hügels „Miraflores“ sind von den Strukturen umgeben. Der sandbedeckte Felsrest ragt rund sechs Meter über seine Umgebung auf. Dass sich die Polygone nicht nur in einem kleinen Fleck, sondern über eine so große sichtbare Fläche erstrecken, macht Valle Grande für das Missionsteam zu einem besonderen geologischen Fundort.
„Wir haben durch Curiositys Augen schon viele faszinierende Landschaften gesehen, aber dieses Meer aus Polygonen hat uns den Atem geraubt. Wir haben ihre Formen und ihre Chemie sorgfältig vermessen und hoffen, dass die Daten Hinweise darauf enthalten, wie diese Strukturen entstanden sind“, sagt Ashwin Vasavada.
Um die Entstehung einzugrenzen, untersucht Curiosity sowohl die erhöhten Ränder der Polygone als auch ihre Zentren. Das Alpha Particle X-Ray Spectrometer (APXS) misst dabei die chemische Elementzusammensetzung direkt am Gestein. Die Nahkamera Mars Hand Lens Imager (MAHLI) liefert Detailbilder von Texturen und Strukturen, während Chemistry and Camera (ChemCam) mit einem Laser kleine Bereiche an der Oberfläche verdampft und aus dem Licht des entstehenden Plasmas ihre chemische Zusammensetzung bestimmt.
Ein Missionsplan aus der Zeit unmittelbar nach dem Fund zeigt, dass APXS, MAHLI und ChemCam gezielt auf verschiedene Polygonränder und Polygonzentren angesetzt wurden. Solche Vergleiche können erkennen lassen, ob sich Material an den Rissen chemisch verändert oder angereichert hat. Eine eindeutige Erklärung hat das Team bislang jedoch nicht vorgelegt.
Polygonale Bruchnetze können auf unterschiedliche Weise entstehen. Auf dem Mars kommen unter anderem austrocknender Schlamm, wiederholte Temperaturwechsel und die Verdichtung begrabener Sedimente infrage. Auch der Verlust von Wasser aus dem Sediment oder mineralogische Veränderungen können Volumenänderungen auslösen und dadurch Rissmuster erzeugen.
Curiosity hat an anderen Stellen im Gale-Krater bereits Polygone untersucht, die sich als alte Schlammrisse deuten ließen. Das bedeutet aber nicht, dass auch die neuen Strukturen in Valle Grande denselben Ursprung haben. Gerade weil mehrere Prozesse ähnliche geometrische Muster erzeugen können, müssen Form, Verteilung und Chemie gemeinsam betrachtet werden.