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AfD-Wahlerfolg: Polen fürchtet Instabilität und Geschichtsrelativierung
Der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt wird auch in Polen genau beobachtet. Gerade die Haltung der AfD zu Russland verunsichert viele Menschen, zudem gibt es die Sorge vor einer geschwächten Bundesregierung.
Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist auch ein großes Thema im polnischen Fernsehen. "Ein Marsch an die Macht", sagt die Nachrichtensprecherin im öffentlichen-rechtlichen Sender TVP. Die extreme Rechte habe in Sachsen-Anhalt deutlich gewonnen. Es sei zwar "nur" eine Landtagswahl und betreffe die deutsche Innenpolitik, heißt es immer wieder. Doch Polen blickt mit Sorge darauf.
Regierungschef Donald Tusk wählte drastische Worte: In Polen könnten sich nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD freuen, schrieb Tusk im Onlinedienst X. Die AfD sei im deutschen Nationalismus verwurzelt, erklärte der ehemalige Botschafter Polens in Deutschland Janusz Reiter in einem Interview. Der deutsche Nationalismus sei schon immer polenfeindlich gesinnt und prorussisch gewesen.
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"Aus unserer Sicht ist die AfD eine revisionistische Partei, wenn es um die Geschichte geht - oder um jegliche Zusammenarbeit mit Russland oder der Ukraine", sagt Dr. Anna Kwiatkowska, Analystin am Zentrum für Ost-Studien, einem unabhängigen Thinktank in Warschau. Sie geht davon aus, dass der Diskurs in der deutschen Gesellschaft jetzt anti-ukrainischer und prorussischer werden könnte.
Der Blick der AfD auf die deutsche Geschichte und die Haltung der Partei zu Russland - diese beiden Themen tauchen immer wieder auf, wenn Polen über die AfD diskutiert.
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Die Erinnerung an den deutsche Überfall ist nach wie vor sehr präsent. Erst vor kurzem, am 1. September, fand eine Gedenkveranstaltung auf der Westerplatte in Gdansk statt, an dem Ort, wo der Zweite Weltkrieg vor 87 Jahren begann. "Jeder sechste Pole starb im Zweiten Weltkrieg. Das dürfen wir nicht vergessen", betonte der rechtskonservative Präsident Karol Nawrocki in seiner Rede vor knapp einer Woche.
Dass die AfD die deutsche Schuld relativiert, ist für Polen deshalb nicht hinnehmbar. Und zwar für polnische Liberale, Linke, Konservative und sogar für viele Rechtspopulisten von der PiS.
Vertreter all dieser politischen Lager reagierten auf das Wahlergebnis besorgt - auch wegen der russlandfreundlichen Position der AfD. Analystin Kwiatkowska rechnet damit, dass die Rhetorik der AfD nun auch auf Bundesebene lauter wird. "Der Diskurs wird sich auch dementsprechend ändern, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland aufzunehmen, die Sanktionen aufzuheben und Nord Stream wiederherzustellen." Davor warnt Polen seit Jahren.