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Grundbedürfnisse könnten 2050 für viele Menschen zur enormen Belastung werden
Verdeckte Kluft: Regionale Durchschnittswerte können verschleiern, wie stark ärmere Bevölkerungsgruppen künftig durch Nahrung und Haushaltsenergie belastet werden. In Modellrechnungen für 2050 beansprucht Nahrung im südlichen Afrika bei den einkommensärmsten zehn Prozent im Median 49,6 Prozent des Einkommens, bei den reichsten zehn Prozent nur 5,5 Prozent. Die Szenarien sind jedoch keine Prognose eines wahrscheinlichsten Zukunftsverlaufs.
Cambridge (U.S.A.). Nahrung, Energie und Wasser gehören zu den Grundvoraussetzungen eines sicheren Lebens. Doch wie gut Menschen darauf zugreifen können, hängt nicht nur von der Region ab. Auch innerhalb derselben Weltregion können sich die Belastungen je nach Einkommen drastisch unterscheiden.
Bisher arbeiten viele globale Zukunftsszenarien vor allem mit regionalen oder nationalen Mittelwerten. Damit können sie gerade jene Gruppen aus dem Blick verlieren, die einen besonders großen Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse aufbringen müssen. Eine neue Modellstudie hat deshalb Nahrung, Haushaltsenergie und Wasser gemeinsam untersucht und die Ergebnisse für unterschiedliche Einkommensgruppen aufgeschlüsselt.
Forscher der Tulane University um Gi Joo Kim haben dazu das Global Change Analysis Model (GCAM) in einer für die Studie angepassten Version genutzt. Das globale Mehrsektorenmodell bildet Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Energie, Wasser, Landnutzung und Erdsystem ab. Für Nahrung und Haushaltsenergie teilte das Team die Bevölkerung jeder der 32 Modellregionen zusätzlich in zehn Einkommensgruppen.
Insgesamt erzeugten die Wissenschaftler 3.888 Kombinationen aus zwölf unsicheren Einflussgrößen, darunter Bevölkerung, Wirtschaftsleistung, Einkommensverteilung, Agrarproduktivität, Energieeffizienz, Schutz natürlicher Flächen und Wasserinfrastruktur. Für 153 Kombinationen fand das Modell kein Gleichgewicht, sodass 3.735 Szenarien in die Auswertung eingingen. Die Forscher bewerteten dabei nicht, wie wahrscheinlich die einzelnen Szenarien sind.
„Unsere Methode wurde entwickelt, um die Bedingungen zu identifizieren, die zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Ressourcensicherheit führen, statt eine einzige wahrscheinlichste Zukunft vorherzusagen“, sagt Gi Joo Kim.
Als Maß für die Versorgungslage nutzte das Team bei Nahrung und Haushaltsenergie den Anteil des Einkommens, der dafür ausgegeben wird. Physische Wasserknappheit erfassten die Forscher dagegen als Verhältnis der gesamten Wasserentnahmen zum erneuerbar verfügbaren Wasser. Für Wasser gibt es im Modell keine Aufschlüsselung nach Einkommensgruppen.
Besonders groß sind die Unterschiede bei den modellierten Nahrungsausgaben. Im südlichen Afrika liegt die mediane Belastung im Jahr 2050 für die einkommensärmsten zehn Prozent bei 49,6 Prozent des Einkommens. Für die reichsten zehn Prozent derselben Modellregion sind es 5,5 Prozent. In Westafrika erreicht der Median für die ärmste Gruppe 48,4 Prozent, in Ostafrika 42,5 Prozent. Der globale Median dieser Gruppe liegt bei 15,0 Prozent.
„Alles, was die Hälfte des Einkommens beansprucht, kann potenziell das gesamte Leben destabilisieren, weil dadurch so wenige Mittel für die anderen entscheidenden Bedürfnisse und grundlegenden Lebensnotwendigkeiten übrig bleiben“, sagt Jennifer Morris vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Zugleich schwankt die mögliche Belastung der ärmsten Gruppen besonders stark zwischen den Szenarien. Für Westafrika reicht der Anteil der Nahrungsausgaben in dieser Gruppe von 18,5 bis 77,5 Prozent. Der regionale Durchschnitt liegt dagegen nur zwischen 5,4 und 24,0 Prozent. Gerade solche Mittelwerte können die extremen Belastungen einzelner Einkommensgruppen daher verdecken.