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Seat vor dem Aus? Volkswagen setzt auf weniger Marken und höhere Margen
Im Rahmen des „Future Plan 2030“ steht die Zukunft von Seat auf der Kippe. Volkswagen priorisiert Cupra, der Standort Martorell soll aber bleiben.
Im Zuge des tiefgreifenden Konzernumbaus bei Volkswagen gerät die spanische Marke Seat unter Druck. Einem internen Konzeptpapier zum Anfang September vom Aufsichtsrat einstimmig beschlossenen „Future Plan 2030“ zufolge sieht Volkswagen für Seat „kein Wachstum, keine Profitabilität und keine angemessene Marktpositionierung“ mehr. Die Marke könnte demnach spätestens Ende 2029 schrittweise auslaufen.
Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Wie aus der offiziellen VW-Pressemitteilung hervorgeht, nennt der Konzern den Zukunftsplan ein „starkes Signal“ für die Gruppe, erwähnt Seat darin aber nicht ausdrücklich. Mehrere Szenarien blieben offen, betont VW. Die Zukunft der Marke hänge von der Entwicklung der EU-Emissionsregulierung, der Kundennachfrage und den allgemeinen Marktbedingungen ab, Faktoren, die eine Fortführung laut Konzernkreisen „zunehmend komplex“ machten.
Hintergrund ist die strategische Neuausrichtung des gesamten Konzerns: Volkswagen will seine Modellpalette bis 2035 um rund 50 Prozent straffen und die Angebotskomplexität um circa 75 Prozent senken. „Weniger Marken, weniger Varianten, höhere Margen“ lautet die Devise. In diesem Rahmen priorisiert Volkswagen die jüngere, margenstärkere Schwestermarke Cupra als Kern der spanischen Tochter. Für Cupra ist ein Absatzziel von 500.000 bis 600.000 Fahrzeugen pro Jahr im Gespräch.
Seat Ibiza und Seat Arona sollen zwar noch Mildhybrid-Versionen ab 2027 erhalten. Ob danach weitere Modelle unter der Marke Seat folgen, ist jedoch offen. Die verschärften europäischen CO₂-Flottengrenzwerte machen reine Verbrennermarken im Niedrigpreissegment zunehmend schwierig zu betreiben. Dieser regulatorische Druck trifft Seat besonders.
Für den Produktionsstandort Martorell bei Barcelona zeichnet sich dennoch eine Zukunft ab. Das größte Automobilwerk Spaniens soll laut Berichten ab 2026 den Cupra Raval (Test) sowie den VW ID. Polo (Test) fertigen und dabei auf ein Produktionsvolumen von rund 488.000 Fahrzeugen kommen. Bereits 2025 liefen am Standort über 470.000 Einheiten vom Band. Die Marke Seat könnte also verschwinden, während der industrielle Standort als Elektrofahrzeug-Produktionsstätte für den Konzern weiterarbeitet.
Spanische Gewerkschaften beobachten die Entwicklung mit Sorge. Die Trennung von Markenidentität und Produktionskapazität ist für sie ein Warnsignal, auch wenn Volkswagen betont, der Standort werde nicht infrage gestellt.
Der mögliche Rückzug von Seat ist Teil eines massiven Umbaus. Volkswagen plant weltweit den Abbau von rund 50.000 Positionen, auch im Management, und will Beteiligungen um ein Drittel reduzieren. Der Konzern nennt eine Überkapazität in Europa von mehr als 500.000 Einheiten. Für die deutschen Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm kann laut VW eine wettbewerbsfähige Folgebelegung von 2031 bis 2034 derzeit nicht gesichert werden. Oliver Blume hatte die Lage zuvor als „mehr als kritisch“ bezeichnet.
Bis 2030 peilt der Konzern bei einem Absatzziel von 9 Millionen Fahrzeugen jährlich eine operative Marge von 9 Prozent an. Für 2027 bis 2031 sind Investitionen von 135 Milliarden Euro geplant. Ob Seat dabei noch eine Rolle spielt, dürfte sich spätestens in den kommenden Monaten klären.
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