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Schweres Asthma verursacht Veränderungen im Gehirn
Schweres Typ-2-Asthma betrifft offenbar nicht nur die Atemwege. Bei Betroffenen zeigt die Magnetresonanztomografie messbare Unterschiede in der weißen Hirnsubstanz und in einzelnen Gehirnregionen gegenüber Menschen mit gut kontrolliertem Asthma. Wie stark die weiße Substanz verändert ist, hängt zudem mit der Typ-2-Entzündung zusammen, ohne dass die Studie eine Ursache belegen kann.
Bristol (England). Asthma gilt vor allem als chronische Entzündung der Atemwege. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Erkrankung trotz intensiver Therapie schwer kontrollierbar, und frühere Untersuchungen haben zusätzlich auf Veränderungen von Gehirnfunktion und Gehirnstruktur hingewiesen. Unklar war bisher, ob solche Unterschiede bei schwerem Typ-2-Asthma besonders ausgeprägt sind.
Genau das untersucht die CONTENTed-Studie, die Menschen mit schwerem eosinophilem beziehungsweise Typ-2-Asthma mit Patienten vergleicht, deren mildes oder mittelschweres Typ-2-Asthma gut kontrolliert ist. Die jetzt ausgewerteten Basisdaten stammen aus der Phase vor einer Behandlung mit einem Biologikum.
„Asthma wird gewöhnlich als Erkrankung der Lunge betrachtet, doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass seine Auswirkungen weit über die Atemwege hinausreichen können. Wir wollten untersuchen, ob Menschen mit schwerem Typ-2-Asthma stärkere Unterschiede in der Gehirnstruktur zeigen als Menschen, deren Asthma gut kontrolliert ist“, erklärt Dr. George Nava.
Für die Basisanalyse hat das Team 50 Menschen mit schwerem Typ-2-Asthma und 25 Personen mit gut kontrolliertem mildem oder mittelschwerem Typ-2-Asthma untersucht. Alle Teilnehmer erhielten eine Magnetresonanztomografie des Gehirns, bei der zusätzlich die Quasi-Diffusions-Bildgebung (QDI) zum Einsatz kam und mikroskopische Eigenschaften der weißen Hirnsubstanz erfasste.
Die weiße Substanz besteht vor allem aus Nervenfaserbahnen, die verschiedene Gehirnregionen verbinden, und zeigte in der QDI bei schwerem Asthma eine geringere Organisation als in der Vergleichsgruppe. Zusätzlich fanden die Forscher Größenunterschiede in einzelnen Strukturen und Regionen, darunter im Hippocampus und in den Temporallappen.
Besonders auffällig war der Zusammenhang mit der Typ-2-Entzündung, denn über alle 75 Teilnehmer hinweg gingen höhere Entzündungswerte mit stärkeren Unterschieden in der weißen Hirnsubstanz einher. Damit stützt die Untersuchung die Annahme, dass die fehlgeleitete Immunreaktion bei schwerem Asthma auch mit Vorgängen außerhalb der Lunge zusammenhängen könnte.
„Wir fanden messbare Unterschiede in der Gehirnstruktur bei Menschen mit schwerem Asthma und hoher Typ-2-Entzündungsaktivität im Vergleich zu Menschen mit mildem bis mittelschwerem und gut kontrolliertem Asthma. Bei allen Teilnehmern waren höhere Werte der Typ-2-Entzündung mit stärkeren Unterschieden in der weißen Hirnsubstanz verbunden. Obwohl diese Studie nicht beweisen kann, dass die Entzündung diese Veränderungen verursacht, deutet sie auf eine mögliche biologische Verbindung hin, die weiter untersucht werden sollte“, erklärt Nava.
Als Beobachtungsstudie zeigt die Basisanalyse zunächst nur eine Korrelation und kann nicht klären, ob die Entzündung selbst die Unterschiede im Gehirn auslöst. Auch langfristige Krankheitsbelastung oder bisherige Behandlungen könnten zum Gesamtbild beitragen, weshalb der weitere Verlauf der CONTENTed-Studie diese Möglichkeiten besser auseinanderhalten soll.
Das Studienprotokoll sieht deshalb einen zweiten Schritt vor, bei dem Menschen mit schwerem eosinophilem Asthma vor Beginn einer Behandlung mit Mepolizumab und erneut nach sechs Monaten untersucht werden. Mepolizumab wird bei bestimmten Formen von schwerem eosinophilem Asthma eingesetzt, während das Projekt parallel neben der Gehirnbildgebung auch Wohlbefinden und kognitive Funktionen erfasst.