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Wer macht wem Platz: Löwe oder Hyäne?
Richtungswechsel im Revier: Tüpfelhyänen weichen Löwen bei direkten Begegnungen systematisch aus. Hochaufgelöste GPS-Daten aus Namibia und Botswana zeigen dieses Rückzugsmuster über mehrere Distanzen und statistische Tests hinweg. Für Löwen ergibt sich dagegen kein einheitlicher Annäherungsdrang, auch wenn männliche Tiere häufiger in Richtung der Hyänen liefen.
Durban (Südafrika). Löwen und Tüpfelhyänen teilen Beute, Lebensräume und Aktivitätszeiten. Treffen die beiden großen Raubtierarten aufeinander, können Löwen Hyänen von Kadavern verdrängen oder sogar töten. Wie sich diese Konkurrenz jedoch in den unmittelbaren Bewegungsentscheidungen einzelner Tiere zeigt, ließ sich in den weitläufigen Schutzgebieten des südlichen Afrikas bisher nur schwer beobachten.
GPS-Halsbänder können diesen blinden Fleck verkleinern. Statt nur zu zeigen, welche Gebiete die Tiere über Stunden oder Tage nutzen, erfassen eng getaktete Positionsdaten, wer sich bei einer Begegnung auf wen zubewegt und wer ausweicht. Genau diese Bewegungsgeometrie haben Forscher der University of KwaZulu-Natal (UKZN) um Dr. Nancy A. Barker nun untersucht.
Das Team hat Bewegungsdaten von 17 Löwen und 14 Tüpfelhyänen ausgewertet, die zwischen 2013 und 2018 im Etosha-Nationalpark in Namibia sowie im Chobe-Linyanti-System in Botswana mit GPS-Halsbändern verfolgt wurden. Insgesamt kamen 349.163 Positionsmessungen zusammen. Für die eigentliche Paaranalyse verwendeten die Forscher nur Zeitpunkte, an denen für beide Tiere eines Paares gleichzeitig eine reale GPS-Position vorlag.
So blieben 23 auswertbare Tierpaare, darunter zehn Löwen-Hyänen-Paare. Die Halsbänder lieferten während der Hauptaktivitätszeiten der Tiere im Abstand von fünf Minuten Positionen. Für jeden gemeinsamen Messzeitpunkt klassifizierte das Team die Bewegung eines Tieres als Annäherung, seitliche Bewegung oder Rückzug relativ zum jeweiligen Partner.
„Für jeden Moment, in dem sowohl ein Löwe als auch eine Hyäne gleichzeitig eine GPS-Position hatten, stellten wir eine einfache Frage: Bewegte sich jedes Tier auf das andere zu, von ihm weg oder seitlich an ihm vorbei?“, erklärt Dr. Nancy A. Barker.
Die Analysen zeigen eine deutliche Asymmetrie. Das Rückzugssignal der Tüpfelhyänen wurde durch drei unterschiedliche statistische Auswertungen gestützt. Beim Vergleich der einzelnen Paare war der Rückzug der Hyänen bei kumulativen Distanzen von zwei, fünf und zehn Kilometern signifikant. Besonders einheitlich war das Muster bis fünf Kilometer: Alle neun dort auswertbaren Paare zeigten eine Tendenz zum Rückzug der Hyäne.
„Unsere GPS-Halsbanddaten zeigen, dass afrikanische Löwen und Tüpfelhyänen eine klare, messbare Signatur darin hinterlassen, wie sie sich umeinander bewegen. Tüpfelhyänen bewegen sich durchgehend von Löwen weg, während männliche Löwen dazu neigen, sich Hyänen zu nähern. Weil das Rückzugssignal der Hyänen in drei unabhängigen statistischen Tests übereinstimmend war, können wir schließen, dass es ein wiederholbares Verhaltensmuster widerspiegelt“, sagt Barker.
Bei den Löwen ist das Bild weniger eindeutig. Keines der drei statistischen Verfahren stützte eine einheitliche Annäherung der Löwen an Hyänen auf Populationsebene. Drei einzelne Löwen näherten sich ihrem jeweiligen Hyänenpartner jedoch häufiger als zufällig zu erwarten. Zudem deutet die geschlechtsspezifische Auswertung auf eine Annäherungstendenz bei männlichen Löwen hin, während Weibchen keine konsistente Richtung zeigten.
Damit widersprechen die Daten der einfachen Vorstellung, Hyänen würden in erster Linie Löwen verfolgen, um von deren Beute zu profitieren. Für die unmittelbare Begegnung zeigt sich vielmehr eine asymmetrische Konkurrenz: Vor allem die Hyänen verändern ihre Bewegungsrichtung und ziehen sich zurück. Die Forscher interpretieren dies als reaktive Vermeidung eines überlegenen Konkurrenten.