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BRICS-Gipfel im Zeichen globaler Ungewissheiten
Putin, Xi, Modi: Beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi treffen selbstbewusste Staatenlenker aufeinander. Bei vielen Themen liegen sie weit auseinander. Was kann das Treffen bei den globalen Krisen - von Ukraine bis Iran - bewirken?
Es gibt gesperrte Straßen für den Besuch der Staatschefs und im Rest der Stadt endlose Verkehrsstau, dafür geschmückte Fassaden und bunte Beleuchtung am Abend - Indiens Hauptstadt macht sich für den Gipfel bereit. Auf Plakaten und Transparenten prangt das BRICS-Logo, eine Art bunte Lotusblüte.
Zum Anlass des Gipfels hat Indiens Regierung den Namen "BRICS" umgedeutet: zu einer Abkürzung für "Building for Resilience, Innovation, Cooperation and Sustainability" - also "Resilienz, Innovation, Kooperation und Nachhaltigkeit aufbauen" - so nichtssagend wie optimistisch und damit vielleicht auch ganz passend für ein sehr diverses Gesprächsforum, das sich in schwierigen Zeiten trifft.
Denn das Treffen findet in einem Umfeld globaler Ungewissheit statt, erklärt Rajan Kumar, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Jawahar Lal Nehru in Neu-Delhi. Die Politik von US-Präsident Donald Trump, das Vorgehen der USA gegen Iran auf der einen Seite sowie der Einmarsch Russlands in die Ukraine auf der anderen hätten diese Unsicherheit verursacht. Die Folge: "Dies hat in den Ländern des Globalen Südens zu einer massiven politischen und wirtschaftlichen Krise geführt", sagt Kumar.
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen findet an diesem Wochenende in Neu-Delhi der BRICS-Gipfel statt.
Wenn die USA am Golf und Russland in der Ukraine die Welt in Unsicherheit stürzen, könnte BRICS sich als neuer starker Akteur in einer multipolaren Weltordnung etablieren? Immerhin vertreten die inzwischen elf Mitglieder fast die halbe Menschheit.
Aber Jochen Luckscheiter von der Heinrich-Böll-Stiftung in Neu-Delhi möchte die Erwartungen an das Treffen insgesamt nicht zu hoch hängen und betont, dass dieses Format zunächst ein politisches Forum und eben kein Staatenverbund etwa mit einer gemeinsamen Außenpolitik sei. Zudem lägen die Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten teilweise sehr weit auseinander.
Die Fragen von Krieg und Frieden sind delikat: Schon beim BRICS-Außenministertreffen im Mai in Delhi hatte Iran - als Mitglied des Forums - auf eine klare Verurteilung der USA und Israels gedrängt. Doch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, ebenfalls Mitglieder, waren im Golfkonflikt von Iran als Verbündete der USA angegriffen worden; sie lehnten eine solche Verurteilung deshalb ab.
An der Haltung wird sich wohl nicht viel geändert haben. Und aufgrund der Tatsache, dass Russland ein Gründungsmitglied von BRICS ist, seien auch zum Vorgehen Putins in der Ukraine keine sehr starken Aussagen zu erwarten, sagt Luckscheiter.
Die Mitglieder haben also teils sehr unterschiedliche Positionen. Was sie jedoch eint, ist, dass sie nicht der Westen sind. Viele der elf Länder - von einst fünf hat sich der Block vor zwei Jahren erweitert - sehen sich vom Westen wenig berücksichtigt. Mit Schwergewichten wie China, Brasilien oder Indien soll BRICS das ändern. Besonders Gastgeber Indien möchte seine Führungsrolle im Globalen Süden unterstreichen.