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JWST zeigt den Nachschubweg eines supermassereichen Schwarzen Lochs
Wie ein supermassereiches Schwarzes Loch trotz seiner energiereichen Jets weiter Materie aufnehmen kann, war lange nur indirekt nachvollziehbar. Beobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop zeigen nun in der Galaxie NGC 4696 ein Gasfilament, das direkt mit einer rotierenden Scheibe nahe dem Schwarzen Loch verbunden ist. Die Daten liefern damit eine räumlich aufgelöste Verbindung zwischen großräumiger Abkühlung und dem Nachschub zum Galaxienzentrum.
Montréal (Kanada). Aktive supermassereiche Schwarze Löcher geben enorme Energiemengen an ihre Umgebung ab. Jets blasen heißes Plasma in die Galaxie und können Gas erhitzen, das dem Schwarzen Loch zugleich als Brennstoff dienen könnte. Darin steckt ein scheinbarer Widerspruch, denn die Rückkopplung müsste den eigenen Materiennachschub erschweren.
Modelle nehmen seit Jahren an, dass ein Teil des heißen Gases wieder abkühlt, in schmale Filamente kondensiert und nach innen fällt. Bisher fehlte jedoch eine räumlich und kinematisch aufgelöste Verbindung zwischen diesen Filamenten auf Kiloparsec-Skalen und dem Gas in unmittelbarer Nähe eines zentralen Schwarzen Lochs.
Forscher der Université de Montréal (UdeM) um Prof. Julie Hlavacek-Larrondo haben diese Verbindung nun in NGC 4696 untersucht, der zentralen Galaxie des Centaurus-Galaxienhaufens. Mit dem Nahinfrarot-Spektrografen NIRSpec des JWST beobachteten sie am 4. Juni 2025 fast acht Stunden lang ein 618 mal 618 Parsec großes Gebiet um das Zentrum und erreichten eine räumliche Auflösung von rund zehn Parsec.
Die Geschwindigkeitskarten der Paschen-Alpha-Linie zeigen, dass die zuvor mit Hubble sichtbare S-förmige Struktur eine rotierende zirkumnukleare Scheibe ist. Ihr Radius beträgt etwa 120 Parsec, also rund 390 Lichtjahre, und die gemessenen Geschwindigkeiten reichen von ungefähr minus 200 bis plus 400 Kilometer pro Sekunde.
Westlich der Scheibe liegt ein ionisiertes Filament, das innerhalb des NIRSpec-Bildfelds etwa 105 Parsec breit und mindestens 350 Parsec lang ist. An der Kontaktzone passen Position und Geschwindigkeit des Gases kontinuierlich zusammen, was nach Ansicht der Autoren am besten zu einem Einstrom in die Scheibe passt.
„Was das JWST zeigt, ist, dass Schwarze Löcher vielleicht die ultimativen kosmischen Recycler sind. Sie setzen enorme Energiemengen frei, die ihre Umgebung aufheizen, doch dasselbe Gas kann später zu dünnen Filamenten abkühlen, die wieder nach innen fallen und das Schwarze Loch erneut speisen. Wir sehen diesen sich selbst erhaltenden Kreislauf nun endlich in Aktion“, erklärt Prof. Julie Hlavacek-Larrondo.
Um die beobachtete Verbindung zu deuten, hat das Team die Daten mit dreidimensionalen magnetohydrodynamischen Simulationen verglichen. Darin kondensiert Gas aus der heißen Atmosphäre, wird in magnetisierte Filamente gezogen und verliert durch magnetische Spannungen Drehimpuls. Dadurch kann es weiter nach innen gelangen und zunächst eine rotierende Scheibe speisen, bevor Material auf noch kleineren Skalen weiter zum Schwarzen Loch transportiert wird.
Die Simulationen erzeugen eine ähnliche Filament-Scheiben-Verbindung wie die JWST-Daten. Frühere Modellrechnungen derselben Forschungsrichtung zeigen zudem, dass Magnetfelder den Materietransport zum Zentrum stark verändern können. Für NGC 4696 stützt vor allem die ähnliche Morphologie und Kinematik die Interpretation, dass das westliche Filament Material in die Scheibe führt.
„Es war wirklich spannend, an diesem Projekt mitzuwirken. Berechnungen unserer Gruppe an der Michigan State University sagen voraus, dass Magnetfelder dabei helfen sollten, die größten Schwarzen Löcher des Universums zu speisen, indem sie kühles Gas zu ihnen leiten, und es ist erstaunlich, genau das in diesen JWST-Bildern zu sehen“, sagt Prof. Mark Voit von der Michigan State University (MSU).