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Wie die Stadt Wittenberge ihr Industrie-Erbe neu nutzen will
Wo früher Nähmaschinen produziert wurden, sollen nun Touristen übernachten, Start-ups arbeiten und Konzerte stattfinden. Wie die brandenburgische Stadt Wittenberge - zwischen Hamburg und Berlin gelegen - ihr Industrie-Erbe nutzt.
Graue Fassaden, große Industriefenster, dazwischen verwitterter Backstein und alte Werkshallen auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern: Das ehemalige Nähmaschinenwerk in Wittenberge erinnert an eine Zeit, in der die Kleinstadt in Brandenburg ein bedeutender Industriestandort war. Seit dem Ende der Nähmaschinenproduktion Anfang der 1990er-Jahre liegen große Teile des Geländes brach. Zerbrochene Fenster und bröckelnde Fassaden prägen das Bild.
Nun soll hier etwas Neues entstehen. Für rund 250 Millionen Euro will ein privater Investor das historische Areal zu einem neuen Quartier entwickeln. Neben Gastronomie und Hotel soll das frühere Veritas-Werk "ein Ort für Kunst- und Kulturveranstaltungen werden", sagt der Investor Renaud Vercouter De Gambs. Doch es gehe nicht allein um Tourismus, sondern auch "um Bildung und Forschung, Technik und Innovation" - und darum, Arbeitsplätze zu schaffen.
Das Veritas-Nähmaschinenwerk galt zu DDR-Zeiten als einer der modernsten Produktionsstandorte für Haushaltsnähmaschinen weltweit. Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der US-Konzern Singer in den Fabrikhallen Nähmaschinen hergestellt. Kurz vor der Wiedervereinigung arbeiteten hier rund 3.200 Menschen. 1992 wurde das Werk liquidiert. Auch andere große Betriebe der Stadt verloren Arbeitsplätze oder mussten schließen - der Beginn eines tiefgreifenden Strukturwandels in Wittenberge.
Wie stark das Thema gerade Ostdeutschland betrifft, zeigt eine umfassende bundesweite Baulandumfrage aus dem Jahr 2020: Demzufolge machen Brachflächen - dazu zählen auch ehemalige Industrieanlagen - im Osten rund 55 Prozent der innerörtlichen Flächenreserven aus, im Westen gut 30 Prozent. Neuere bundesweit vergleichbare Zahlen gibt es bislang nicht.
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Heute versucht die Stadt Wittenberge an vielen Stellen, wieder attraktiver zu werden - nicht nur für Touristen. "Wir wollen auf den Wohnstandort hinweisen, auf den Urlaubsstandort, auf den touristischen Standort und auch auf den Arbeitsstandort", sagt Bürgermeister Oliver Hermann.
Dafür hat die Kleinstadt gute Voraussetzungen: Wittenberge liegt genau zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg und verfügt sogar über einen ICE-Anschluss. Einen zusätzlichen Schub für seine Stadt erhofft sich Hermann von der Landesgartenschau 2027. Die Menschen sollten sehen, dass Wittenberge ein Ort sei, an dem man arbeiten, wohnen und sich erholen könne.
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