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Kenia: Gewaltexzesse im Auftrag der Regierung?
Motorradgangs, die Veranstaltungen der Opposition mit Macheten angreifen: Ein Jahr vor der Präsidentenwahl in Kenia wird das Land mit Gewalt überzogen. Die Opposition macht dafür auch die Regierung verantwortlich.
Sie prügeln, sie brandschatzen, sie morden - und meistens tauchen sie wie aus dem Nichts auf: Gruppen maskierter junger Männer auf ihren Motorrädern, bewaffnet mit Knüppeln, Macheten oder Peitschen.
Die Jüngsten sind gerade mal 16 Jahre alt. Ihre Zielobjekte: Demonstrationen von Regierungsgegnern oder Veranstaltungen der politischen Opposition. In Kenia nennt man sie "Goons" - kriminelle Motorradgangs, die das Land seit Monaten mit einer neuen Welle der Gewalt überziehen.
Sie schrecken vor nichts zurück: Im Juni stürmten sie Räume der All-Saints-Kathedrale im Herzen von Nairobi, wo sich Kirchenvertreter und Menschenrechtsaktivisten versammelt hatten, attackierten die Teilnehmer, raubten Laptops, Handys und andere Wertgegenstände. Überwachungskameras zeigen, wie Teilnehmer die Veranstaltung in Panik verlassen.
Bei einer Parlamentsnachwahl Mitte Juli tauchten mehrere maskierte Männer in SUVs auf, ausgerüstet mit Schusswaffen, Knüppeln und Tränengas, um Wählende einzuschüchtern, die hier mehrheitlich die Opposition unterstützen. Gezielt wurden Journalisten und Kamerateams angegriffen und verletzt.
Im August machten Hunderte Goons Jagd auf den Konvoi des aussichtsreichen Oppositionspolitikers Edwin Sifuna und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Auch hier wurden Journalisten in ihren Autos angegriffen und schwer verletzt, mindestens zwei Menschen wurden getötet.
Fast wöchentlich gibt es neue Bilder, neue Nachrichten von solchen Gewaltexzessen - und viele im Land fragen sich, wer die Auftraggeber dieser gewalttätigen Gangs sind.
Wer Antworten darauf finden will, muss sich in eine der gefährlichsten Gegenden Nairobis begeben: nach Kibera, der größten informellen Siedlung des Landes. Hunderttausende Menschen leben hier unter dem Existenzminimum, die meisten in Lehmhütten mit Wellblechdächern.
Viele müssen mit einem Tagelohn von umgerechnet zwei bis drei Euro auskommen und davon eine ganze Familie ernähren - ein ideales Umfeld für Seelen- und Menschenfänger.
Kibera, eine der gefährlichsten Gegenden Nairobis: Hier trifft das ARD-Team Männer, die Teil der Gangs sind.