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Vollständiger Mastodon-Zahn aus der Eiszeit in Kalifornien entdeckt
Mitten in einem kalifornischen Bachbett ist ein vollständig erhaltener Backenzahn eines Pazifischen Mastodons aufgetaucht. Das Fossil dürfte aus dem späten Pleistozän stammen, sein genaues Alter ist aber noch offen. Eine Radiokarbondatierung und ein 3D-Scan sollen nun zeigen, was der ungewöhnlich gut erhaltene Fund über die Eiszeitfauna der Bay Area verraten kann.
Los Altos (U.S.A.). In der heutigen Bay Area lebten während des Pleistozäns große Rüsseltiere neben vielen anderen Tierarten, von denen einige bis heute in Kalifornien vorkommen. Zu ihnen gehörte das Pazifische Mastodon (Mammut pacificus), das erst 2019 als eigene Art wissenschaftlich beschrieben wurde. Fossilien dieser Tiere liefern Hinweise darauf, wie sich Lebensräume und Tiergemeinschaften im Westen Nordamerikas während der Eiszeit verändert haben.
Ein besonders gut erhaltenes Exemplar ist nun eher zufällig entdeckt worden. Brigid Lynch von Balance Hydrologics untersuchte für ein Projekt des Midpeninsula Regional Open Space District (Midpen) ein Bachbett in San Mateo County. Die Arbeiten sollten eigentlich einem Lebensraumprojekt für den bedrohten Kalifornischen Rotbeinfrosch dienen. Dabei fiel ihr ein ungewöhnlich geformtes Objekt auf, das Paläontologen später als intakten Backenzahn eines erwachsenen Pazifischen Mastodons identifizierten.
Für Lynch war der Fund selbst im Vergleich zu ihrer üblichen Geländearbeit ungewöhnlich. Der Zahn lag im Bachbett und wirkte zunächst wie ein auffällig geformter Stein.
„Als Geologin war ich schon oft draußen im Gelände und habe einiges gesehen, aber definitiv nichts so Aufregendes wie das hier“, sagt Brigid Lynch.
Besonders bemerkenswert ist der Erhaltungszustand. Wayne Thompson von Pacific Paleontology bezeichnete den Fund als den vollständigsten Mastodon-Backenzahn aus der Region, den er bislang gesehen habe. Der nahezu unversehrte Zahn soll nun wissenschaftlich datiert und dreidimensional erfasst werden.
„Der Zahn selbst ist in makellosem Zustand. Es ist der vollständigste Mastodon-Backenzahn aus unserer Region und der spektakulärste Mastodon-Backenzahn, den ich je gesehen habe. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Es ist ein weiteres Puzzleteil in der Eiszeitgeschichte, das wir an seinen Platz setzen können“, erklärt Wayne Thompson von Pacific Paleontology.
Warum sich der Zahn dem Pazifischen Mastodon zuordnen lässt, hängt auch mit Merkmalen zusammen, die erst vor wenigen Jahren systematisch herausgearbeitet wurden. Forscher des Western Science Center (WSC) um Alton C. Dooley Jr. verglichen für die 2019 veröffentlichte Erstbeschreibung zahlreiche Mastodonfossilien aus dem Westen Nordamerikas. Dabei zeigte sich, dass Mammut pacificus unter anderem deutlich schmalere Backenzähne als das Amerikanische Mastodon besitzt.
Die Forscher fanden außerdem Unterschiede am Kreuzbein und an den Oberschenkelknochen. Unterkieferstoßzähne, die beim Amerikanischen Mastodon zumindest bei manchen Tieren vorkamen, fehlten bei den untersuchten Pazifischen Mastodonten. Für die Ernährung waren vor allem die kräftigen Backenzähne wichtig. Nach Angaben von Midpen fraßen die Tiere vorwiegend Blätter, weiche Triebe und Früchte von Gehölzen, während Mammuts stärker an grasreiche Nahrung angepasst waren.
Wie alt der neu entdeckte Zahn tatsächlich ist, ist noch nicht bestimmt. Midpen beschreibt ihn als rund 10.000 Jahre altes Fossil, doch die angekündigte Radiokarbondatierung an der Stanford University steht noch aus. Die Altersangabe ist deshalb vorerst als Schätzung zu verstehen. Das Fossil wurde der Stanford Doerr School of Sustainability übergeben, wo es außerdem dreidimensional gescannt werden soll.