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Rätselhafte Radioquelle in der Milchstraße bleibt seit Jahrzehnten aktiv
Eine Radioquelle in der Milchstraße leuchtet seit rund zwei Jahrzehnten, verändert ihr Spektrum und bleibt dennoch extrem kompakt. Astronomen vermuten hinter VT J1906+0849 ein dauerhaft gespeistes System mit einem kompakten Objekt und dichtem Gaswind. Die Arbeit liegt bislang als Preprint vor, und die genaue Natur der Quelle bleibt offen.
Pasadena (U.S.A.). Veränderliche Radioquellen können bei Sternausbrüchen, in Doppelsternsystemen oder in der Umgebung kompakter Objekte entstehen. Viele solcher Ereignisse hellen auf und werden anschließend wieder schwächer. VT J1906+0849 fällt aus diesem Muster, weil die Quelle seit etwa zwei Jahrzehnten im Radiobereich nachweisbar ist und sich zugleich ungewöhnlich stark verändert.
Im Very Large Array Sky Survey (VLASS) wurde die Quelle am 27. Oktober 2017 mit rund 70 Millijansky bei drei Gigahertz erfasst. Am selben Ort hatte der NRAO VLA Sky Survey 1996 noch keine Quelle gefunden. Archivdaten zeigen jedoch eine erste Detektion im Jahr 2005, einen Höhepunkt von mindestens 200 Millijansky um 2014, einen anschließenden Rückgang und eine erneute Aufhellung Ende 2025.
Forscher des California Institute of Technology (Caltech) um Jessie M. Miller haben die Radioquelle nun mit Archivdaten und neuen Beobachtungen über mehrere Wellenlängen untersucht. Neben Radiomessungen nutzten sie optische und infrarote Daten sowie Röntgenbeobachtungen. Die Arbeit ist bisher nicht fachbegutachtet und liegt als Forschungs-Preprint vor.
Mehrere Befunde sprechen nach Angaben des Teams für einen Ursprung in der Milchstraße. Die Autoren grenzen die Entfernung auf ungefähr 15 bis 32 Kiloparsec ein. Die optisch-infrarote Gegenquelle und die Lage nahe der galaktischen Ebene machen einen weit entfernten aktiven Galaxienkern als Erklärung weniger wahrscheinlich, auch wenn einzelne Distanzdaten allein einen extragalaktischen Ursprung nicht vollständig ausschließen.
Besonders auffällig ist die Kombination aus starker spektraler Entwicklung und geringer Größenzunahme. Messungen mit sehr langer Basislinie zeigen zwischen 2010 und 2025 keine signifikante Zunahme der großen Achse der Radioquelle. Für die kleinere Achse entspricht die gemessene Veränderung bei einer angenommenen Entfernung von 15 Kiloparsec einer radialen Expansion von höchstens etwa einem Kilometer pro Sekunde. Streuung im interstellaren Plasma kann die scheinbare Größe allerdings beeinflussen.
Gleichzeitig erreicht die Radioquelle eine Helligkeitstemperatur von mindestens rund 100 Millionen bis einer Milliarde Kelvin. Das liegt weit über dem Bereich, der für gewöhnliche thermische Strahlung erwartet wird, und spricht für nichtthermische Synchrotronstrahlung. Aus dem Spektrum und der Energiebilanz folgern die Autoren außerdem, dass der strahlende Teil des Systems über längere Zeit mit neuen energiereichen Teilchen versorgt werden muss.
Im nahen Infrarot fanden die Forscher eine einzelne breite Emissionslinie, deren Breite und Helligkeit sich verändern, während ihre Lage weitgehend stabil bleibt. Das Team deutet sie vorläufig als blauverschobene Brackett-Gamma-Linie von Wasserstoff und damit als Hinweis auf einen asymmetrischen Ausstrom mit einer typischen Geschwindigkeit von ungefähr 2.000 Kilometern pro Sekunde. Diese Identifikation ist jedoch nicht sicher.
Hinzu kommt, dass eine Beobachtung mit dem Röntgenteleskop Swift keine Röntgenquelle an dieser Position nachweisen konnte. Die Autoren bevorzugen deshalb ein Szenario mit anhaltender Akkretion auf ein kompaktes Objekt, also etwa ein Schwarzes Loch oder einen Neutronenstern. Ein Jet könnte in einem dichten Scheibenwind auf Material treffen und dadurch auf engem Raum gehalten werden. Ein solcher Wind könnte zugleich einen Teil der Röntgenstrahlung verdecken.
Als möglichen Vergleich diskutiert das Team den Mikroquasar SS 433, bei dem ein kompakter Akkretor von einem dichten Wind umgeben ist und Jets erzeugt. VT J1906+0849 wäre in diesem Bild ein deutlich weniger extremes und möglicherweise jüngeres Ge