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Proteinarme Ernährung könnte der Schlüssel zu einem langen Leben sein
Ein Ernährungssignal mit großer Reichweite: Wird die Proteinzufuhr gedrosselt, reagieren offenbar nicht nur einzelne Zellen, sondern Stoffwechsel, Hormone, Gehirn und Verhalten gemeinsam. Forscher schlagen deshalb vor, Proteinrestriktion als koordinierten Anpassungszustand des ganzen Körpers zu verstehen. Dieser Ansatz könnte erklären, warum eiweißarme Kost in Tiermodellen Stoffwechsel und Lebensspanne beeinflusst.
Baton Rouge (U.S.A.). Proteinrestriktion verlängert in mehreren Modellorganismen die Lebensspanne und verändert zugleich Stoffwechsel, Energieverbrauch, Wachstum und Nahrungspräferenzen. Viele dieser Effekte werden bislang vor allem über einzelne Zellprozesse erklärt, doch wie die verschiedenen Reaktionen zu einer gemeinsamen Antwort des gesamten Organismus zusammenfinden, ist noch nicht geklärt.
Eine neue wissenschaftliche Perspektive schlägt nun einen übergeordneten Rahmen vor: Demnach könnte ein Mangel an Nahrungsprotein ein koordiniertes Anpassungsprogramm auslösen, das von der zellulären Wahrnehmung von Aminosäuren über Hormonsignale bis zu neuronalen Schaltkreisen und Veränderungen in verschiedenen Geweben reicht. Die mögliche Lebensverlängerung wäre dann nicht die Folge eines einzigen Signalwegs, sondern das Ergebnis ihres Zusammenspiels.
Forscher des Pennington Biomedical Research Center um Dr. Christopher D. Morrison haben dafür Befunde aus der Forschung zur Proteinrestriktion neu zusammengeführt. Ihr Perspektivbeitrag verbindet die klassischen zellulären Merkmale des Alterns mit Reaktionen des ganzen Körpers. Dazu zählen ein höherer Energieverbrauch, eine bessere Glukoseregulation, Umbauten im Fettgewebe, vermindertes Wachstum und eine stärkere Motivation, proteinreiche Nahrung zu suchen.
„Die Frage, die unsere Arbeit antreibt, ist täuschend einfach: Woher weiß ein Tier, dass es nicht genug Protein bekommt? Nach Jahren der Forschung glauben wir nun, dass das Gehirn eine entscheidende Rolle dabei spielt, die Reaktion des Körpers auf Proteinrestriktion zu koordinieren, und dass genau diese Anpassungsveränderungen letztlich die Lebensspanne verlängern“, erklärt Dr. Christopher D. Morrison.
Die Autoren verweisen dabei auf die zwölf sogenannten Hallmarks of Aging, also zentrale biologische Prozesse, die mit dem Altern verknüpft sind. Proteinrestriktion beeinflusst nach bisherigen Arbeiten mehrere dieser Merkmale. Morrison und seine Kollegen argumentieren jedoch, dass diese zellulären Veränderungen nicht isoliert betrachtet werden sollten, weil Tiere gleichzeitig ihr Verhalten, ihren Stoffwechsel und ihren Energiehaushalt anpassen.
Auf Zellebene reagieren mehrere Sensoren auf die Verfügbarkeit von Aminosäuren. TORC1 wird vor allem bei ausreichender Nährstoffversorgung aktiv, während GCN2 einen Mangel an Aminosäuren registriert. Solche Signale können Wachstum, Proteinsynthese, Stoffwechsel und Stressantworten verändern. Für einen ganzen Organismus reicht eine lokale Zellreaktion aber nicht aus, weil die Information über Proteinmangel zwischen Organen und Gehirn weitergegeben werden muss.
Eine Schlüsselrolle schreiben die Forscher dem Hormon Fibroblast Growth Factor 21, kurz FGF21, zu. Frühere Arbeiten der Gruppe zeigen, dass FGF21 bei Proteinmangel ansteigt und im Gehirn an der Koordination von Nahrungswahl, Energieverbrauch und Stoffwechsel beteiligt ist. In Mausmodellen war das Hormon zudem für mehrere Effekte der Proteinrestriktion auf Stoffwechsel, Futterpräferenz und Lebensspanne erforderlich.
„Proteinrestriktion als koordinierten physiologischen Zustand zu betrachten, verschiebt den Fokus darauf, wie zelluläre Nährstoffwahrnehmung, hormonelle Signalgebung, neuronale Schaltkreise und die Physiologie der Gewebe zusammenwirken. Diese einzelnen Wege lassen sich am besten als Bestandteile eines größeren physiologischen Systems verstehen, dessen koordiniertes Zusammenspiel letztlich die Reaktion auf Proteinrestriktion bestimmt“, schreiben die Autoren.
Aus dem Modell ergibt sich auch eine neue Frage für d