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5400 km über den Atlantik: Autonomes Segelboot gewinnt Microtransat Challenge
Die Oshen C-Star PC13 ist das erste Boot, das die Microtransat Challenge gemeistert hat. Das 1,2 m lange Segelboot überquerte autonom den Atlantik.
Das kleine C-Star-Segelboot von Oshen schippert autonom auf dem Meer.
Die Oshen C-Star PC13, ein kleines, nur rund 1,2 m langes autonomes Segelboot, hat es als erstes geschafft, die traditionsreiche Microtransat Challenge, eine selbstständige Überquerung des Atlantiks ohne menschliche Eingriffe, zu bewältigen. Der Wettbewerb wird seit 2010 ausgetragen und hat seitdem die Atlantiküberquerung zum Ziel. Mehr als 30 Teams hatten bisher versucht, den Atlantik mit einem autonomen Segelschiff mit einer Größe von weniger als 2,4 m selbstständig zu überqueren. Vergeblich.
Der Oshen C-Star PC13 gelang das Kunststück im September 2026, wie unter anderem Ocean News berichtet. Gestartet war das etwa 1,2 m lange Segelboot am 7. Mai auf Gran Canaria und erreichte die Insel Barbados in der östlichen Karibik, nachdem es 127 Tage lang etwa 5400 km über den Atlantik geschippert war. Die PC13 musste dabei einige Widrigkeiten überstehen, darunter wechselnde Wetterbedingungen mit Stürmen und bis zu 9 m hohen Wellen etwa des Tropensturms „Dolly“. Zudem musste das unbemannte Boot anderen Schiffen auf stark befahrenen Schifffahrtsrouten ausweichen.
Um nur mit Wind als Antrieb über den Atlantik zu kommen, steckten die Ingenieure von Oshen viel Entwicklungsarbeit in das Boot. Denn die Regeln erlauben es nicht, andere Antriebe als ein vom Wind getriebenes Segel einzusetzen. Das in dem Boot eingebaute solarbetriebene Bugstrahlruder, das zum Manövrieren bei wenig Wind dienen sollte, durfte während der Überfahrt nicht eingesetzt werden.
Entsprechend lag der Schwerpunkt auf der Navigations- und Steuerungssoftware des Bootes. Dazu müssen kontinuierlich die gerade herrschenden Bedingungen überprüft werden, wie etwa die Windrichtung und -stärke, Wasserströmungen und die Batterieleistung zur Aufrechterhaltung der Bordsysteme.
Die autonome Navigation erfolgt nach Programmierung von Wegpunkten im Bordcomputer. Das System errechnet dazu den Weg dorthin unter Berücksichtigung der Wind- und Wasserströmungsverhältnisse. Das Segel und das Ruder werden entsprechend angesteuert. Letzteres hatte auf der Atlantiküberquerung ein Problem. Auf halber Strecke trat ein inkonsistentes Steuerverhalten auf, das durch übermäßige Reibung am Ruder ausgelöst worden sein soll. Es zeigte sich aber, dass die autonome Steuerungssoftware darauf reagieren und Korrekturen selbstständig durchführen konnte, ohne dass dazu von den Ingenieuren eingegriffen werden musste.
Oshen hatte zuvor bereits zwei Versuche unternommen, um den Atlantik autonom mit einem kleinen Segelboot zu überqueren und die Microtransat Challenge zu gewinnen. 2023 endete der erste Versuch nach 20 Tagen, nachdem das Boot lediglich knapp 10 km zurückgelegt hatte. Der zweite Versuch erfolgte 2025. Das Boot legte damals drei Viertel des Weges über den Atlantik zurück, musste aber nach insgesamt 277 Tagen sprichwörtlich die Segel streichen, weil das Segel durch schweren Seegang beschädigt worden war.
Der Wettbewerb der Microtransat Challenge hat auch einen praktischen Hintergrund: Boote, die langfristig autonom auf dem Ozean unterwegs sein können, können mit zusätzlichen Sensoren zur Überwachung der Meereswelt, von Unterwasser- und Überwasserschiffen eingesetzt werden. Dass so etwas auch unter extremen Bedingungen funktionieren kann, hatte Oshen bereits 2025 gezeigt: Eines der C-Star-Boote wurde im Auftrag der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) während des Hurrikans „Humberto“ eingesetzt, um Umweltdaten zu sammeln. Das Boot bewegte sich dabei über Stunden in der Augenwand des Hurrikans.
Oshen hat eigenen Angaben zufolge nun bereits mehrere C-Star-Boote zur Hurrikanüberwachung in der Karibik im Einsatz. Das Unternehmen plant, künftig mehrere der Boote zur Klimaüberwachung im Nordatlantik einzusetzen.