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Silver Palace angespielt: Ein überraschender Herausforderer für Genshin Impact?
Das viktorianische Noir-Gacha überzeugt im Ersteindruck mit fordernden Echtzeit-Kämpfen und starker Unreal-Engine-5-Optik
Silver Palace findet man aktuell in allen möglichen Auflistungen zu kommenden Gacha-Spielen. Das Genre ist mittlerweile vom Nischenphänomen zum weltweiten Schwergewicht herangewachsen, darunter dominieren Genshin Impact und Wuthering Waves weiterhin die RPG-Landschaft. Gerade kostenlose Spiele im Anime-Look werden jedoch oft mit dem Vorwurf formelhafter Klone und süchtigmachendem Glücksspiel abgestempelt. Ich vertreibe mir öfter meine Zeit mit solchen Gachas, als ich sollte, aktuell ist Arknights Endfield mein Favorit. Das geht aber mehr in Richtung Industrie-Aufbauspiel und gegen mehr knackige Echtzeitkämpfe mit übertriebenen Animationen habe ich ohnehin selten etwas einzuwenden. Die kann Silver Palace überraschenderweise besonders gut.
Ein Gacha ist eine andere Variante von Spielen mit Lootboxen. Die meist kostenlosen Animespiele monetarisieren ihre Inhalte über zufällige Charakterziehungen. Mit dem globalen Phänomen Genshin Impact (2020) wurde dieses Prinzip im westlichen Mainstream verankert. Beliebte Titel wie Wuthering Waves, NTE oder Arknights: Endfield greifen die Formel auf, setzen aber verstärkt auf erwachsenere Themen oder neue Genres.
Zugegeben, dieser Titel stand nicht sehr weit oben auf meiner Liste, denn der viktorianische Fantasy-Schauplatz mit Detektiven in der Hauptrolle spricht mich in Form einer Visual Novel mehr an. Auch dachte ich bei Trailern, dass Silver Palace extrem mittelmäßig aussieht, doch ausgerechnet das Art Design auf der Unreal Engine 5, die Erkundung im fantasiereichen Silverna und ein paar Bosskämpfe, die ich auf der Gamescom ausprobieren konnte, haben mir das Pad unter Maus und Tastatur weggezogen. Ich muss meinen Ersteindruck also deutlich revidieren.
Der Aufbau der Hauptquests wirkt gleich organisch und lässt vergessen, dass man eigentlich ein Gacha-Spiel vor sich hat. Mich nervt bei anderen F2P-Spielen oft das Figurdesign. Selbst auf fremden Planeten oder in der urbanen Moderne laufen die Charaktere am Ende immer als hübsche Modepuppen in Retrokleidung herum – offenbar ein Stil, der besonders viele Fans anspricht. Immerhin kann Silver Palace dank Noir-Schauplatz mit diesem Nostalgie-Stil gleich anfangen. Dieses Puppenartige strahlten Munin, Cinderella, Red Rose und Rex, die ich alle im Echtzeitkampf durchwechselte, auch schon aus. Beeindruckend waren ihre Kampfanimationen trotzdem.
Fast schon wie bei einem Soulslike brachten die Missionen recht schnell ihre Bosse auf die Karte. Die Kämpfe fühlten sich langsamer an als zum Beispiel bei Genshin Impact und erforderten aktiv meine taktische Einwechslung der Figuren. Es erinnerte mich an die Anfänge von Zenless Zone Zero, wo man noch ordentlich Schaden einstecken musste. Ganz erbarmungslos sind die Missionen nicht, da Standardgegner deutlich mehr Fehler verzeihen, aber die großen Gegner bekämpfen sich eben nicht von alleine.
Ein weiteres Highlight ist eine frei begehbare Open-World, welche die Erkundung durch Fortbewegungsmittel wie Enterhaken, ein fliegendes Wasserpferd (siehe Video oben) oder angenehmes Renntempo besonders dynamisch macht. Selbst in den Wolken verbergen sich noch weitere Möglichkeiten zum Auskundschaften. Zudem wirkt Silverna selbst sehr belebt. Ständig begegnet man NPCs, die sich untersuchen lassen, oder entdeckt Gebäude mit interessanter Architektur und Läden, in denen man einkaufen kann. Zusätzlich hüllt der Regen die Stadt manchmal in eine geheimnisvolle Atmosphäre.
Vielleicht ist es einfach der Überraschungseffekt, wenn man mit niedrigen Erwartungen in so eine Anspielsession geht, aber die Atmosphäre inklusive Musik, englischer Vertonung und diesem flüssigen Silber, das so künstlerisch in die unterschiedlichen Objekte des Spiels eingebunden wurde, hat mich überwältigt. Besonders beim Bosskampf gegen Vita et Mors blieb mir die Luft weg, denn derart gigantische Kreaturen mit solchen reibungslose