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Analyse zur Wahl: Warum die Linke in Berlin so erfolgreich war
Die Linke hat dank einer Altersgruppe in Berlin gewonnen und aufs richtige Thema gesetzt, das zeigen Umfragen. Für die AfD ist dort manches anders als in anderen Bundesländern. Und alle Parteien hatten ziemlich unbekannte Kandidaten.
Was als wahlentscheidend angesehen wird, hängt in Berlin stark von der Parteipräferenz ab. Für CDU-Wählende war die Wirtschaft diesmal das wichtigste Thema, im SPD-Lager die Soziale Sicherheit, bei den Linken Wohnen, bei den Grünen Verkehr und bei der AfD die Zuwanderung. Für den Erfolg einer Partei war wichtig, wie sehr es ihr gelungen ist, ihr Klientel von ihrem Konzept bei diesem Top-Thema zu überzeugen.
Die Linke hatte auch im Wahlkampf vor allem auf das Thema Wohnen gesetzt - was großen Anteil daran gehabt haben dürfte, dass sie die Wahl mit so deutlichem Vorsprung vor der CDU gewonnen hat. 37 Prozent der Menschen in Berlin trauen der Linken hier die besten Lösungen zu - weit mehr als jeder anderen Partei. Und das, obwohl die Konzepte der Linken in der Wohnungspolitik äußerst umstritten sind.
Bei dem Thema treffen sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, deren Gegenpole CDU und Linke darstellen: Die CDU will durch verschiedene Maßnahmen vor allem den Neubau fördern, wofür finanzkräftige Investoren nötig sind. Die Linke will große Wohnbaukonzerne enteignen, wofür sich Berlin allerdings zusätzlich massiv verschulden müsste.
Für das Konzept, den Neubau zu stärken, gibt es grundsätzlich aus allen politischen Lagern mehr Zustimmung als Ablehnung. Anders sieht es bei dem von den Linken favorisierten Modell der Enteignungen aus. Rund drei Viertel der Linken-Anhänger finden das gut, bei allen anderen Parteien überwiegt aber die Ablehnung - ebenso wie in der Gesamtbevölkerung.
Das Konzept der Linken entspricht allerdings auch der Forderung eines Volksentscheids, bei dem 2021 gut 59 Prozent dafür gestimmt hatten, Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen gegen eine Entschädigung zu vergesellschaften.
Das Durchschnittsalter der Berliner Bevölkerung ist im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr jung - und erstmals durften bei der Abgeordnetenhauswahl auch 16- und 17-Jährige wählen. Und den jungen Wählerinnen und Wählern hat die Linke auch zu verdanken, dass sie ihr Wahlergebnis verdoppeln konnte. Im Vergleich zu 2023 hat sie zwar in allen Altersgruppen zugelegt - besonders deutlich aber in denen unter 35.
Die Linke ist ganz klar zur "jungen Großstadtpartei" geworden, das zeigt eindrucksvoll der Vergleich zur parallel abgehaltenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gewinnt die Linke zwar bei jungen Wählergruppen auch hinzu. Nur ist Mecklenburg-Vorpommern in weiten Teilen sehr ländlich strukturiert - und auf dem Land leben da nur wenige junge Menschen. Während sie in Berlin die Wahl gewinnt, zählt sie in Mecklenburg-Vorpommern zu den Wahlverlierern.
In Berlin kann die Linke aber nicht nur mit ihrer Wohnungspolitik punkten, sondern bei einem breiten Themenspektrum. In der Kompetenzzuschreibung legt sie im Vergleich zu 2023 in vielen Bereichen deutlich zu - selbst beim Thema Wirtschaft.
Vor allen anderen Parteien liegt sie bei der "Meta-Frage", wer die Probleme in Berlin am besten lösen kann: 20 Prozent sagen, die Linke. Auf Platz 2 folgt mit 15 Prozent die CDU.