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Planetary Health Check: Wie hat sich die „Gesundheit“ der Erde entwickelt?
Die Weltmeere sind inzwischen so stark versauert, dass der Planetary Health Check 2025 erstmals auch die Ozeanversauerung als überschrittene planetare Belastungsgrenze einstuft. Damit liegen sieben von neun zentralen Erdsystemgrenzen außerhalb des sicheren Bereichs. Ausschlaggebend sind neue globale Messdaten und eine revidierte Abschätzung des vorindustriellen Ozeanzustands.
Potsdam (Deutschland). Planetare Belastungsgrenzen beschreiben einen sicheren Handlungsraum für neun zentrale Prozesse des Erdsystems. Wird eine Grenze überschritten, bedeutet das nicht, dass ein System sofort kippt. Mit wachsender Abweichung vom sicheren Bereich steigt jedoch das Risiko, dass Stabilität, Widerstandskraft und lebenswichtige Funktionen des Planeten beeinträchtigt werden.
Der Planetary Health Check 2025 ordnet nun sieben der neun Grenzen als überschritten ein. Dazu gehören Klimawandel, Biosphärenintegrität, Landnutzungsänderungen, Veränderungen des Süßwasserkreislaufs, Stickstoff- und Phosphorkreisläufe, neuartige Stoffe und erstmals auch die Ozeanversauerung. Nur die stratosphärische Ozonschicht und die globale Aerosolbelastung liegen dem Bericht zufolge noch im sicheren Bereich.
Das Planetary Boundaries Science Lab des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat für den Bericht globale Messdaten, Modellrechnungen und den Forschungsstand zu den neun Grenzen zusammengeführt. Für die Ozeanversauerung dient der mittlere Sättigungszustand des Minerals Aragonit im Oberflächenwasser als zentrale Kontrollgröße. Aragonit ist eine Form von Calciumcarbonat, die viele Korallen, Muscheln und Flügelschnecken zum Aufbau ihrer Kalkstrukturen benötigen.
Der globale Mittelwert liegt für die aktuelle Bewertung bei 2,84. Die revidierte planetare Grenze beträgt 2,86 und entspricht 80 Prozent des neu abgeschätzten vorindustriellen Werts von 3,57. Weil der Messwert damit unter dem Grenzwert liegt, bewertet der Gesundheitscheck die Ozeanversauerung erstmals als überschritten. Die Neueinstufung beruht daher nicht allein auf einer Veränderung innerhalb eines Jahres, sondern auch auf aktualisierten globalen Datensätzen und einer neuen Rekonstruktion des Ausgangszustands.
PIK-Direktor Johan Rockström, Co-Autor des Berichts, sieht darin ein Zeichen für die wachsende Belastung des Gesamtsystems.
„Mehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich. Die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum und erhöht so das Risiko, den Planeten zu destabilisieren“, sagt Johan Rockström.
Eine im Juni 2025 veröffentlichte Fachstudie stützt die Neubewertung aus einer unabhängigen Datenanalyse. Forscher des Plymouth Marine Laboratory (PML) um Prof. Helen S. Findlay kombinierten Messungen der Ozeanchemie mit Datenmodellprodukten und biologischen Indikatoren. Ihre Analyse ergab, dass die globalen Durchschnittsbedingungen bereits 2020 in den Unsicherheitsbereich der Ozeanversauerungsgrenze geraten waren.
Besonders deutlich wird das Problem unterhalb der Oberfläche. Nach der Studie hatten bis zu 60 Prozent des globalen Ozeans bis 200 Meter Tiefe den dort analysierten Grenzbereich überschritten, gegenüber mehr als 40 Prozent der Meeresoberfläche. Geeignete Lebensräume gingen demnach bei tropischen und subtropischen Korallenriffen um 43 Prozent zurück, bei polaren Flügelschnecken um bis zu 61 Prozent und bei küstennahen Muscheln um 13 Prozent.
Auch der Bericht verknüpft die chemische Veränderung mit anderen Belastungen der Meere. Co-Leiterin Levke Caesar vom Planetary Boundaries Science Lab des PIK beschreibt die Entwicklung so.