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Hinweise auf weitere Kammern hinter Tutanchamuns Grab entdeckt
Neue Radar- und Schwerkraftmessungen sprechen dafür, dass die bekannte Grabanlage Tutanchamuns nur einen Teil eines größeren Komplexes bildet. Die Autoren rekonstruieren nördlich von KV62 fünf oder sechs mögliche Kammern und verfüllte Gänge. Ob dort tatsächlich menschengemachte Räume liegen und ob sie mit Nofretete zusammenhängen, ist aber noch nicht bewiesen.
Kairo (Ägypten). Tutanchamuns Grab KV62 ist seit seiner Entdeckung im Jahr 1922 eines der am gründlichsten untersuchten Bauwerke im Tal der Könige. Trotzdem gibt seine ungewöhnlich kleine Anlage bis heute Rätsel auf, denn nur die eigentliche Grabkammer ist dekoriert, während andere Königsgräber der 18. Dynastie meist deutlich umfangreicher angelegt wurden.
Seit 2015 wird deshalb erneut darüber gestritten, ob sich hinter den bekannten Wänden weitere Räume verbergen, weil frühere geophysikalische Untersuchungen widersprüchliche Resultate lieferten. Eine besonders dichte Radarmessung von 2018 fand keine Hinweise auf verborgene Kammern unmittelbar neben der Grabkammer und galt lange als starkes Argument gegen eine Fortsetzung von KV62.
Für die neue, laut Publikation fachbegutachtete Untersuchung hat ein Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Mamdouh Eldamaty von der Ain Shams University (ASU) die Befunde der vergangenen zehn Jahre neu zusammengeführt und die Messkampagnen von 2023 und 2024 ausgewertet. Die Analyse verknüpft Bodenradar, elektrische Widerstandsmessungen, geologische Kartierungen und erstmals in diesem Umfang Mikrogravimetrie rund um das Grab.
Die Mikrogravimetrie misst winzige Unterschiede im lokalen Schwerefeld, die unter anderem durch Hohlräume, lockere Verfüllungen oder natürliche Strukturen mit abweichender Dichte entstehen können. Nördlich von KV62 zeigt der Datensatz mehrere rechtwinklige Zonen mit geringerer Dichte, deren Orientierung nach Ansicht der Autoren eher zu menschengemachten Strukturen als zu zufälligen geologischen Formen passt.
In ihrem zusammenfassenden Modell leiten die Forscher daraus mit hoher Wahrscheinlichkeit einen möglichen Grabbau ab, der sich etwa 25 bis 30 Meter nach Norden erstreckt. Fünf oder sechs Kammern könnten dort liegen, verbunden durch mehrere schwächer aufgelöste, vermutlich mit Geröll verfüllte Gänge von etwa 1,5 bis 2,5 Metern Breite. Besonders zwei annähernd rechteckige Anomalien gelten im Modell als vergleichsweise gut bestimmt, doch auch ihre genaue Größe und ihr Inhalt bleiben unklar.
Das Ergebnis steht nicht einfach im Widerspruch zu der Radarmessung von 2018, deren Autoren keine markanten Übergänge gefunden hatten, die auf offene Kammern direkt hinter den Wänden der Grabkammer schließen lassen. Die neue Arbeit betont dagegen, dass die vermutete Fortsetzung hinter der Nordwand zunächst aus einem verfüllten Korridor bestehen könnte und größere Räume erst weiter nördlich liegen würden.
Hinzu kommt, dass die verschiedenen Verfahren auf unterschiedliche Eigenschaften reagieren. Radar erfasst vor allem Grenzflächen im Untergrund, elektrische Widerstandsmessungen reagieren stark auf Material und Feuchte, während Mikrogravimetrie Dichteunterschiede abbildet. Die Autoren sehen gerade in der räumlichen Übereinstimmung mehrerer Datensätze eine Stütze ihrer Interpretation.
Die Unsicherheit bleibt dennoch beträchtlich, denn die neue Mikrogravimetrie besitzt für einige der vermuteten Strukturen keine unabhängige Messung mit derselben Methode und die Auswertung hängt von Korrekturen für Geländeform und Gesteinsdichte ab. Mehrere vorgeschlagene Verbindungen bezeichnen die Autoren selbst als spekulativ, während natürliche Karststrukturen oder frühere Wasserschäden einzelne Anomalien ebenfalls erklären könnten.
Die Suche nach zusätzlichen Räumen ist eng mit einer These des Ägyptologen Nicholas Reeves verbunden, der 2015 vorgeschlagen hatte, dass KV62 ursprünglich Teil eines größeren Grabes einer Königin gewesen sein könnte und später für Tutanchamun umgebaut wurde. In der neuen Arbeit werden dazu neben den Messdaten auch die